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Der Erwählte : Roman
Entstehung
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"Du hast unrecht, Probus, einen solchen von mir zu erwarten*Es handelt sich um eine kirchliche Angelegenheit, sogar um diealleroberste, und du weisst, dass in der Kirche das Weib schwei-gen soll. Ob es nicht besser stuende um die Kirche, wenn ver-staendige Frauen darin ein Wort mitzureden haetten, das wollenwir allerdings dahingestellt sein lassen . 11

"Deine Bitterkeit betruebt mich, Faltonia. Es ist aber wohlso, dass deine Gewohnheit, bei der theoretischen Zergliederungder Dinge stehen zu bleiben, dich zu einem Ratschluss nicht kom-men laesst, und dass du dich darum hinter das Schweigegebot fuerFrauen in kirchlichen Fragen zurueckziehst

"Sehr scharfsinnig. Es scheint, lieber Sextus, dass du heuteden ganzen Tag ueber deine Verhaeltnisse lebst. Und dabei ver-saeumst du, des Einfachsten und Naechstliegenden zu gedenken,das anzuregen ich laengst im Begriffe bin, indem ich die demWeibe gebuehrende Zurueckhaltung mit gutem Rat verbinde. Unter-rede dich ueber dein Erlebnis mit deinem Freunde Liberius! Er,als hoher Kleriker, dessen Charakter und Intelligenz ich aner-kenne, obgleich er die Lehren des Origines verwirft und einechristliche Philosophie nicht fuer Christentum erachtet, istdurchaus der Mann, sich in deine Lage zu versetzen und dir zusagen, wie er selbst sich in derselben verhalten wuerde."

Dieser Vorschlag leuchtete dem Probus sogleich als gilt undrichtig ein. Der Mann, von dem Faltonia sprach, Liberius, warKardinal-Presbyter Von Sancta Anastasia sub Palatio, ein hochangesehener Praelat, sogar dem Gremium angehoerig, dem waehrendder Sedisvakanz die Verwaltung der Kirche oblag, und wirklichdem Probus in alter Freundschaft verbunden. Der Gedanke, sichihm zu eroeffnen, war dem Heimgesuchten wohltaetig und will-242