Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
233
Einzelbild herunterladen
 

Aeuglein und Mundoeffnung schwer zu erkennen waren. Zeit kanntees nicht. Der Mond wechselte. Die Sternbilder stellten sichum, verschwanden vom Himmel und kehrten wieder. Die Naechte,mondhell oder finster und triefend, eisig durchstuermt oder vollSchwuele, verkuerzten sich oder nahmen zu. Der Tag graute fruehoder spaet, erroetete, flammte auf und verging wieder in schei-dendem Karmesin, das sich in der Gegend des Aufgangs widerspie-gelte. Blauschwarze, schweflichte Wetter, in denen es lichtete,zogen fuerchterlich zoegernd auf, entluden sich krachend ueberden hallenden Wassern, die sie mit Hagel besprenkelten, und ihreBlitze fuhren in die erregten Wellen, die aufspritzend den un-erschuetterten Fuss des Steines berannten. Danach war alles gut,Friede, ebenso hehr und unbegreiflich wie die vorherige Wut, er-fuellte das All, und in suessem, oben durchsonnten Regen standvon einer Uferlosigkeit zur anderen in feuchter Schoene der sie-benfarbige Bogen.

Unter alldem aber machte das moosige Wesen, wenn es nichtschlief, seinen kriechenden Weg zur Mutterbrust und kehrte ge-saettigt und etwas sabbernd an den Rand zurueck, wo der Buessereinst abgesetzt worden war. Haette durch Zufall ein Schiff aufdem See sich dem entlegenen Felsen genaehert, - nichts Auffael-liges waeren die Böotsleute dort oben gewahr geworden. Haetteder Fischer der Einoede einmal die Laune verspuert, wieder dieFahrt zu tun und sich nach dem Laestigen umzusehen, den er vorJahren hier untergebracht, - der Augenschein haette ihm die Ge-wissheit bestaetigt, dass er laengst umgekommen, vefwest und,was von ihm geblieben, vertrocknet, verdunstet und vom Steinehinweggewaschen sein musste. Von seinem Gebein allenfalls dortoben einen bleichen Schein zu erspaehen, haette er wohl erwarten

233