unbegreiflich. Er ist jung, gesund und reich, wie es sich ge-hoert, - was kann ihm fehlen? Denn dass ich es nicht fehlenlasse an ihm und ihm in Allem zu V/illen bin, wie ich soll, dassieht der Ewige.”
Und sie weinte.
"Ich bin ein wenig aelter, als er”, schluchzte sie, "einwenig zu alt fuer ihn. Doch minnt er mich stuermisch, dafuerhab ich tausend Beweise und trage sein Pfand zum zweiten Mal.
Er aber lebt im Geheimnis vor mir und schliesst mich von seinemLeide aus. Weh, weh, mir armen Frau! Nie ging’s mir im Lebenso gut und wird mir auch nie so gut gehen, als durch seine Jugendund Tugend. Ich sage dir, kein besserer Mann ward je geboreniWas aber mag seiner Jugend geschehen sein und was wohl hat manihr einstmals angetan, dass er heimlich so buessen und weinenmuss, wie ich dich es erzaehlen hoere? Rate mir, denn ich habeniemanden, der mir raet, wie ich hinter sein Leid und Geheimniskomme, ohne Gefahr, unser Glueck zu zerstoereni”
"Wenn Ihr ihn fragtet?"
"Nein, neinl" rief Sibylla mit Entsetzen. "Nicht fragenlIm Fragen, das ahn' ich, lauert Gefahr und Tod. Sein Leid, soviel seh* ich, ist unaussprechlich, denn waer’ es sprechbar,wie haett’ er es mir nicht laengst vertraut? Offenbar ist esso geartet, dass wir nicht wissentlich beide es wissen duerfen,und so sehr ich mich sehne, es mit ihm zu teilen, - nicht wissendarf er, dass ich es teile. Zusammen muessen wir's tragen,doch einzeln ein jeder. Vielleicht, dass dann meine wissendeLiebe ihm beistehen und ihm zum Engel werden kann in diesemLeide."
"Das waere wohl einzurichten", entgegnete darauf Jeschute.
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