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Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
199
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vom Munde, sondern reglos in einem Winkel stand, steif undstarr. Wenn sie ihn sah, er aber nicht sie, das war ihr lieb.Denn fern war ihr Wunsch und Hoffnung, seine Augen auf sich zuziehen, die sie eine Schlumpe war, haesslich eher als nett, dieUnansehnlichkeit hoechstens belebt und aufgekratzt durch stechen-de Neugier und Forscherdrang, - er aber ein wonniger Herr, ver-sehen zur Nacht mit dem schoensten Weibe. Und doch sass es ihrsuesslich ms Herz wie Minnetraum, wenn sie ungesehen ihm nach-glomm; denn genauestens war ihr, als sei nicht alles ganz tagge-recht, sauber und eingestaendlich in der Seele des holden Ehe-herrn mit der maennlichen Juenglingsmiene; als gaebe es da einGeheimes von Scham und Gram, wovon die Huelle zu luepfen und weg-zuziehen gar minnig sein muesste.

Was mach ich viel Wortei Jeschute kam hinter sein Buessenund Beten. Glimmend ersah sie, erst einmal durch Zufall, danndurch Belauerung wieder und abermals, wie er am Morgen in seineStube ging als ein Herr und nach einer Stunde daraus hervorgingmit roten Augen und anzusehen wie einer, der sich die Geisseigegeben. So sprang sie lautlos zur Tuer, als er wieder hinein-gegangen, und presste gierig das Auge an einen Ritz in den Boh-len, laengst ausgekundschaftet von ihr und heimlich etwas er-weitert: Viel Klarblick gewaehrte er nicht, doch einige Ein-sicht, - sie konnte sehen, wie er ein Ding aus der Wand nahm unddavor buesste und sich die Brust schlug, ablesend Verstecktesvon dem Versteckten, im Wahn, dass niemand es saehe.

War das eine minnesuesse Belauschungl Weg sprang sie,rannte durch Hallen und Gaenge, bezwang sich und maessigte ihrenTritt, um nicht ausser Atem zu sein und trat ein ins hochehelicheSchlafgemach, da sass die Herrin, flocht sich das Haar und summte