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Der Erwählte : Roman
Entstehung
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durch das Reine. Die Not und Scham, das war der armen SuendeGottesfurcht, das Reine nur zu verunreinigen und es zu schaendendurch Vermischung mit ihr. Oft weinte Sibylla fuer sich alleinaus dieser Scham vor der Reine, die sie an ihre Suende gebunden,verhehlte aber sorgfaeltig ihre Traenen vor jedermann und beson-ders vor dem Geliebten, dem Einzigen, den sie lieben konnte seitdes holden Bruders Entschwinden. So sah er die Spur ihrer Traenennicht und nicht den Gram, der ihre Hingabe nur bruenstiger machte.

Er hatte seine eigene Sorge, wenn es auch dieselbe war, wieihre, und Tristan, der Sorgsame, blieb er in allem Glueck seinerHerrschaft und Ehewonne. War er nicht ausgezogen auf Irrfahrt,um seine suendigen Eltern zu finden, ihnen zu Fuessen zu fallenund ihnen sein Dasein zu verzeihen, damit Gott ihnen allen dreienverzeihen moechte? Statt dessen war er Herzog geworden im erst-besten Lande, wohin die Nebelfahrt ihn getrieben, und hatte frei-lich ein Weib von suesser Reife gewonnen, das er gleich so naheempfunden seiner Natur, Sibylla, das Abbild der Himmelskoeniginund dabei zu irdischer Freude geschaffen, sodass kindliche Ehr-furcht sich wundersam mischte mit Mannesentzuecken in ihren Ar-men. In ihren Armen, an ihrer sanften Brust genoss er vollkomme-ne Seligkeit, die suesse Geborgenheit des Brustkindes zugleichmit mannbar maechtiger Lust.

So mag aus dem Greulichen das Vollkommene erbluehen, wieich in kloesterlicher Besinnlichkeit erwaege. Wahrlich, inGrigorssens Ehefreuden versetzt mein Moenchtum sich nur ausgeistlichem Mut und um des Grames willen, der darin wohnte, beiihm wie bei ihr, wie der Wurm in der Rose. Denn ach, er betrogsie ja, die Reine und Hohe, zu der er erhoeht war, und verhehlteihr, wer er war, der sie sich erkaempft, und dem sie sich trau-