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Vor dem Stuhle der Herrin standen die Landesbesten, und einerlas den Akkord, fast woertlich wie ich ihn oben dargetan. Dannliess er sinken das Pergament und blickte zu Boden. Alle blick-ten zu Boden, auch Sibylla, und in der Stille hoert mein feinesOhr ihr Herz schlagen, - auch die Besten, glaube ich, hoerten es;sie hoben alle ihre Augen ein wenig auf, schraeg in den Winkel,und lauschten auf den Schlag. Dann kam der Frauen Stimme inklangvoll holder Reife, wie man sie zu vernehmen gewohnt war.
Sie verkenne nicht, sprach sie, Ernst und Wichtigkeit des Antragsund noch weniger die treuliche Sorge um des Landes Wohlfahrt undum ihres Hauses Geschick, aus welcher er hervorgegangen. Nach-denklich stimme sie der Rat und gefuegig bis zu dem Punkt, dasssie ihn fuer erwaegenswert erachte. Doch zu sehr widerstreiteer dem Bilde ihres Lebens und ihrem Vorsatz, es als Gottesmagd,ohne Mann, zu verbringen, gehe zu laesslich auch an der Schwie-rigkeit vorueber, welche es ihr bereite, in der Kristenheit ei-nen ihr wirklich ebenbuertigen Gatten zu finden, als dass Bescheidvon ihrer Seite sogleich ergehen koenne, Sie muesse vom LandeBedenkzeit fordern - sieben Wochen wuerde sie fordern, waerenicht dem Gesuch das Dringlichkeitsgepraege so stark aufgedruecktworden. So begnuege sie sich mit sieben Tagen. Am achten moech-ten die Edlen und zu Achtenden sich wieder vor ihr einfinden, umzu hoeren, wie sie beschlossen, und gefasst sein auf ihr Nein sowohl wie auf ihr Ja. Denn grosse Fuegsamkeit bekunde sie alleinschon durch die Erwaegung.
So beschieden, nahmen die Bittsteller Urlaub von der Herrin.Der aber schlug nach ihrem Weggang auch das Herz noch immer hochund wonnig-bang. Sie laechelte, erschrak vor ihrem Laecheln,tilgte es streng von ihrem Antlitz, Traenen traten in ihre Augen,184