Frau um Gottes willen gesonnen sei, nie einen Mann zu haben.
Sie aber, des Landes beste Auswahl, seien ungeachtet achtungs-voller Beherzigung einhellig der Meinung, dass sie unrecht darantue und Gottes Willen faelschlich deute, Uebel waere es um ihrLeben bestellt, liesse sie ein so reiches Land ohne Erben zu-grundegehen, und genehmer handle sie vor Gott und der Welt, wennsie einen Mann erkuere und durch ihn dem Reiche Erben schenkte.Ohnedies sei eheliche Heirat das beste Leben, das Gott den Men-schen gegeben habe; wie nun aber erst besonders in ihrem Falll -Dies der Herrin als Ratschluss und inbruenstige Bitte des ganzenLandes und seiner Besten vorzutragen und um Erlaubnis fuer denAntrag einzukommen, ward ohne Widerspruch und Stimmenthaltungdurch Zuruf ausgemacht und dabei noch eingefuegt, dass es gaenz-lich der Frau solle freigestellt und ohne Bedingen anheimgegebensein, wen sie zu ihrem Herrn und Herzog nehmen wolle.
So erging ihrer aller Wille, und sehe ich ihn mir an, beson-ders diesen letzten Einschub, der glauben machen koennte, es seiSitte, dass eine Fuerstin sich nicht freien lasse, sondern selberfreie und entgegen keuscher Weibesart auf den weise, den sie ha-ben wolle, so kann ich mich der Vermutung nicht erwehren, dassdie Gedanken der Landesbesten bei ihrem Antrag in einer bestimm-ten Richtung gingen, dass sie der Herrin eine goldne Bruecke zubauen wuenschten, und dass Sibylla dies auch garnicht misskennenkonnte. Nach Staatsbrauch wurde sie im Voraus mit dem Inhaltdessen bekannt gemacht, was man in Freimut ihr vorzutragenwuenschte, und es haette bei ihr gestanden, den Vortrag abzuleh-nen. Sie gewaehrte ihn jedoch in ihrer Belebtheit, natuerlichunter Vorbehalt ihrer Stellungnahme, Aber wie sehr war schondiese Gewaehrung danach angetan, die Hoffnung zu beleben!
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