pruefte sich nicht genug und unterschied zwischen Dankbarkeitund Zaertlichkeit nicht mit gebotener Sorgfalt. Zu jener hattesie gerechten Grund, - so gerechten, dass sie sich dadurch derPruefung ueberhoben fand, ob nicht die Dankbarkeit dennoch nurein Vorwand war fuer die Zaertlichkeit. Sie war eine frommeFuerstin und hielt Nachtwachen viele; aber um ihre geistlicheUnterscheidung stand es gleichwohl nur mangelhaft. Ein wundesGlied zu kuessen, ist um Christi marterlicher Wunden willen zwarloeblich; aber wohl auf der Hut zu sein, ob es aus Demut undLiebe zur Krankheit oder aus Freude am Kuessen geschieht, dasist erst kristliche Feinheit, und da fehlte es der Frau.
Grigorss stand, die Wundblaesse von Blut uebergossen.
"Herrin, was tut Ihr! Diese Beruehrung wird brennen aufmeiner Hand und sie zu edler Tat verhalten, das schwoer ich,mein Leben lang! Doch womit verdient ich diese Huld? Aus Suendeist unser Leib gemacht. Wozu denn taugt er, als dass wir ihnin die Schanze schlagen und ihn daran geben fuer die bedraengteUnschuld!"
Sie schlug die Augen nieder, die schoen bewimperten, undhob sie auch nicht wieder auf zu ihm, als sie mit halber Stimme,die Worte nur mit den vorderen Lippen bildend, sagte:
"Kinder der Suende sind wir saemtlich. Mir aber scheint esoft, als waere ein Widerspruch in der Welt zwischen Suendigkeitund edlem Mut, zwischen des Leibes Elend und seinem Stolz» Ister verworfen, wie mag er dann frei und kuehn blicken und soadeligen Ganges sich erdreisten, dass es selbst den, der es nursieht, mit Stolz erfuellt? Der Geist ist unsres Unwerts kund,doch um sein Wissen unbekuemmert haelt die Natur sich wert.
Eines kristliehen Ritters war Eure Rede. Selbst zwischen Wort
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