Er wusste nicht, welch Ungeheures er mit seinem Hohne an-empfahl und gleichsam vom Himmel herab - ich sage besser: ausder Hoelle heraufbeschwor. Haette er es gewusst, mag sein, eshaette sein Herz gekuehlt. Ich glaube aber, selbst er haettesich kristlich entsetzt, solche Anempfehlung auch nur im Hohnzu machen. Man brauchte sich aber um die Ornamente, mit denener sich die Unterwerfung leidlicher zu machen suchte, nicht zukuemmern. Diese war es, die zaehlte, und auf dem Platz desMuensters wurde in feierlicher Handlung, von burgundischen Gros-sen, die man hereingelassen, unterm Segen der Klerisei und dem"Ja, ja, so sei es" allen Volkes, der Friedensschwur geleistet,in dem Beisein der Herzogin und im Beisein auch Grigorss*, desBefreiers, der, verbunden noch den Hals und verpflastert dieHand, in dieser Stunde die Frau, von deren holder Reife und Gueteer Bild und Klang bestaendig im Herzen getragen, zum erstenmalwiedersah. Und sie auch sah ihn wieder und freute sich seinerEhren; denn es sei nur gesagt, dass auch ihr sein junges Bild an-genehm vorgeschwebt hatte all die Zeit, ferner, dass zaertlicheBesorgnis, wie solche das Leben sie noch nie gelehrt, sie ankamdurch seine wunde Blaesse und zugleich wallender Stolz darauf,dass er so unbedingt fuer sie gestanden. Kaum, sag’ ich, achtetesie recht der Zeremonie, denn sie wusste, dass danach der Jueng-ling droben auf der Burg vor sie gestellt sein werde, damit sieihm danke; und darauf, gesteh* ich, freute sich die Frau.
Ich gestehe: sie stand im Halbkreis ihrer Damen und sah ihndurch die Weite des bebalkten, von Wappenpfeilern gestuetztenTeppichsaales auf sie zukommen schoenen Ganges, auf ranken Bei-nen im Schmiegestoff; und auch auf seinen ranken Gang, gesteh*ich, war sie stolz. Guter Gott, er sah ihr ja aehnlich, wie er176