Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
147
Einzelbild herunterladen
 

verzweifeln

ii

"Ihr seid sehr klug, Herr Gastfreund", bemerkte Grigorssmit Achtung.

"Ich bin es", antwortete jener. "Waere ich sonst Maire vonBruges geworden? Dazu hat meine Klugheit die Form vollkommenerKlarheit und Gemeinverstaendlichkeit

"Und wann", war Grigorss' Frage, "ist wohl die naechste sie-gessichere Herausforderung dieses Herzogs zu erwarten?"

"Er ist nicht vor der Stadt", versetzte der Amtmann. "SeinZelt ist abgenommen. Kommt der Herbst, so kehrt er durch unsreverheerten Strecken heim bis zum naechsten Lenze in sein Reich,das auch regiert sein will. Unsere arme Stadt, versteht sich,bleibt eingeschlossen. Aber nur geringe Kampfhandlungen undSkaramutzien geschehen waehrend des Winters."

"Und im Lenze", ergaenzte Grigorss, "kehrt er wieder, umdurch ritterliche Raufkunst die Herrin ihrer Schuetzer zu be-rauben und sie zur Uebergabe, was in diesem Falle heissen will:zur Hingabe zu zwingen. Ist sie wohl jung und schoen?"

"Sie mag", antwortete der Wirt, "beilaeufig doppelt so altsein, wie Ihr, den ich auf siebzehn bis achtzehn schaetze, hat3ich aber, aller Nachtmessen und Kastigierung ungeachtet sehrschoen erhalten, - Gott zum Kummer, so nehme ich an, da sieihren schoenen Leib jedwedem Manne vorenthaelt."

"Dass sie ihn jenem Spitzbart dahingibt", erwiderte Gri-gorss, "ist bestimmt Sein Wille nicht. So weit getraue ichmich seine Gedanken zu erraten, denn zu Zeiten hab ich michmit divinitas abgegeben."

"Wie, der Buecher kundig seid Ihr auch?"

"Ein wenig. Und wenig hilft es mir unter diesen Bewandt-

147