Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
128
Einzelbild herunterladen
 

mehrt, dass Liebe und Ehrfurcht mich wohl anhalten sollten,euch zu willfahren. Und doch vermoegen sie es nicht, wonach ihrermessen moegt, wie ueberstark der Zorn meiner Jugend ist bei demblossen Gedanken, veraechtliche Nachrede koenne mein Teil sein*

Es ist unvermeidlicher Weise so, dass, seit ich weiss, dass ichnicht dieses Fischers Kind bin, ich im Ehrenpunkte noch zartergeworden bin, als ich es immer schon war. Und warum? Weil dieTatsache meiner Findlingschaft die erdenklichsten Moeglichkeitenin sich traegt. Niemand kennt meine Ahnen. Wie, wenn sie vonsolchem Geschlechte gewesen waeren, dass mir Ritterschaft zu-kaeme? Herr, lieber Vater, alle meine Traeume sprechen dafuer,dass sie und nichts andres mir zukommt 1 Wahr, ihr habt dasbeste Leben. Behagen und Gottgefaelligkeit mischen sich koest-lich darin, und wer es mit Recht sich erwaehlt, der ist selig.

Ich aber kann es nicht teilen noch erben. Ich muss fort, dennseit ich weiss, wer ich nicht bin, gilt mir Eines nur: die Fahrtnach mir selbst, die Wissenschaft, wer ich bin. 11

"Mein Sohn, mein Sohn, nicht jedem frommt es, gar so genauzu wissen, wer er ist, und wuerde ihm selbst Ritterschaft damitzu teil. Hast du mir je geglaubt, so glaube mir jetzt: Du bistin diesen Mauern an deinem Platze. Gott hat dich durch mich inseinen Schutz genommen. Wovor? Vielleicht vor dir selbst.

Willst du aus seinem Schutze laufen, ohne Furcht, dich damit derHoelle zu gesellen? Der Ungewissheit, wer du bist, ist gar-nichts angemessener, und keine bessere Loesung deines Raetselsist zu erdenken, denn dass du als frommer und vielgeliebterAbbot auf dieser friedlichen, weltabgelegenen Insel deine Tagebeschliessest. Drum sei verwarnt, gebeten und beschworen voneinem, der dich liebt: 0 bleibe 1"

128