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Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
107
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einen Wecknamen, ausser "Credom!", und wahrlich, er trug ihnohne Schande, denn hiess er "Der Trauerer", so meinte doch nie-mand damit, dass er ein schlaffer Juengling und Duckmauser ohneMannheit gewesen waere. Wie haette auch das zu seinen geheimenTraeumen von Ritterschaft gestimmt? Sein Koerper war eherschmal, mit wuchtigen Kraeften nicht versehen, von leichten Ar-men, die Beine schlank. Aber beim Wettspiel mit den Scholarenauf dem mit Kies bestreuten Spielhof des Klosters und auf demAnger, wenn die Jugend der Insel sich dort im Disport erhitzte,im Ballstoss, Ringen, Springen, Stockfechten, Speerwurf undStreckenlauf, gewann er seiner Zartheit mehr ab, als andere ihrerWucht, - auf dieselbe Weise naemlich, wie er in Gedanken denHerrn der Q,uelle ueberwandt, will sagen: weil er es, anders alsjene, verstand, beim Kampfspiel jeden Augenblick sein Alles zu*sammenzunehmen und nicht nur, wie sie, aus Leibeskraeftenkaempfte, sondern aus andren noch.

War Grigorss, der Trauerer, stets angenehm zu sehen, so wurdeer beim Wettkampf geradezu schoen, aus obigem Grunde naemlich,und es konnte auch niemand umhin, das zu gewahren. In eine ge-spannte Stirn fiel sein braunes Haar, das weicher war, als dasder anderen, und in dem schmalen Gesicht mit der allzu gewoelb-ten Oberlippe, die fest auf der unteren lag, und den duenn flie-genden Nuestern, - in diesem Gesicht, das nicht, wie bei denGesellen, in der Anstrengung rot-puterig aufschwoll, vielmehrnoch in mattere Bleichheit fiel, brannten die blaeuüchen Augenmit sonderlicher Kraft und waren ueberall; sie ersahen jede Re-gung und Pinte des Gegners, und im blitzschnellen Nu, mit fe-dernden Gliedern, begegnete er jeder, hob sie auf, schlug sieund riss an sich Vorteil und Ueberhand. Es haette keinen Wider-