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Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
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Sechs Monate hatte ihre teuere Gefangene in der Kemenate ge-sessen, wie die Gans im Nudelkasten, da kam sie in Noete und kamnieder, mit der Burgfrau als Beistand gahz allein; denn ohnealles Aufsehen musste es vollbracht sein, und die Wehmutter liessniemanden herzu. Es war ein hitzig Werken, denn obwohl es Sommerwar, hatte Frau Eisengrein ein loderndes Feuer-im Kamin ange-facht, (was sie fuer gut hielt) und beide hatten hochrot geschwol-lene, triefende Gesichter bei ihrer Arbeit unterm Bettgebaeude.Aber alles ging so naturgetreu und guenstig und nach der Schnur,als waere das Kind garnicht in solchen Suenden, mit dem eigenenFleisch und Blut, erzeugt gewesen, sondern, wie es sich gehoert,mit einem fremden Mann. Die Frauen vergassen der Suende dennauch ganz, und dass auf Erden kein Platz war fuer dies genehmeund wonnigliche Kind, das kam ihnen gaenzlich aus dem Sinn; bei-de brannten, als es gewaschen und gewickelt war, nur darauf, esHerrn Eisengrein zu zeigen, damit er ihre Freude teile. So kamer denn, gerufen von der Wirtin, besah das Neugeborene undsprach:

"Ja, es ist ein waetliches Kind und kaiserlicher, das mussich gestehen, als es erlaubt sein sollte, in Anbetracht, dasses mit' so grossen Suenden geboren. Kurz, es ist schade drum,ich habe auch Augen und ein Herz und leugn* es nicht. Nur frageich: Was machen wir jetzt damit?"

"Machen?" rief da die junge Mutter voller Schrecken.

"Willst du es gar tot machen, du Herodes?" fragte FrauEisengrein.

"Ich, tot?" So er* "Weib, willst du mir den Mord zusehie-ben an diesem schoenen Kinde? Tot", sprach er, "kam es zurWelt, obgleich es lebt, das ist der Zwiespalt, und hat keine