Frau Eisengrein
V/ie oft doch habe ich beim Erzaehlen von diesen schlimmenKindern an ein ander Geschwisterpaar denken muessen: an unserenMeister divum Benedictum, des Euprobus Sohn, und seine liebeScholastica, wie sie so hold und heilig bei Sublacus im Tale miteinander lebten, bis Satan sie durch gemeine List von dort ver-trieb. Denn er brachte sieben ausgesucht schoene Hetaeren zuihnen ins Kloster, wodurch einige seiner Schueler (nicht alle,aber eine ganze Anzahl) der Sinnenlust erlagen. Da flohen dieGeschwister natuerlich und machten sich, begleitet von drei Raben,auf harte Wanderung, standen in Liebe alles mit einander aus, be-kehrten alle Heiden, die sie noch fanden, stuerzten die Altaereder Goetzen um, und der Heilige zerstoerte unter den BeifallsrufenScholasticas den letzten Tempel des leiernden Apoll. Das nenneich mir kristliche Geschwisterliebe, unzertrennlich und engel3-gleichi Und ich musste von einer so suendlichen erzaehlen!
Sollte ich nicht lieber in aller frommen Ausführlichkeit dieGeschichte Benedikts und Scholastikas aufzeichnen? Nein, ausfreien Stuecken waehlte ich die gegenwaertige, weil jene nur vonHeiligkeit, diese aber von Gottes unermesslicher und unberechen-barer Gnade zeugt. Und ich bekenne mich einer Schwaeche schul-dig - nicht fuer die Suende (verhuete der Himmel das!) aber fuerdie Suender, ja, ich wage es, zu glauben, dass auch unser Meister,wenn er auch natuerlich das Tal Sublacus der Besudlung wegenfloh, ihnen doch einiges Erbarmen nicht vorenthalten haette.
Denn er durfte zusammen mit der lieben Schwester auf harte Wande-rung gehen, aber mein Suender musste (wie ich wohl einsehe, dasses unumgaenglich war) von seiner Suenderin scheiden, - wo sie
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