Druckschrift 
Der Erwählte : Roman
Entstehung
Seite
46
Einzelbild herunterladen
 

hier der Schande und dort dem HoelienrostI

Und er weinte aufs neue, ohne Worte.

Da hoerte sie zu weinen auf und sagte:

"Herzog Wiligis, ich sehe euch so nicht gerne. Koennt ihrzur Nacht ein Mann sein, nur zu gut, so seid es auch am Tage]

Dies weiblich Flennen hilft uns nicht aus unserer Lage, die soentsetzlich ist, dass uns freilich nichts daraus helfen kann,aber irgend etwas muss mit dieser Lage geschehen, sei es auchnur in Ansehung unseres unschuldig verdammten Kindes, dieser armenFrucht des Hochmuts, fuer das eine Staette gefunden werden mussauf Erden und im Himmel, wenn schon wir verloren sind hier unddort. Darum ermanne dich und denke nach'."

Der so Ermahnte trocknete sich Augen und Wangen mit dem Sack-tuch und entgegnete:

Ich bin bereit dazu und lege Wert darauf, ein Mann zu sein,am Tage auch. Ich habe mit dir geweint und dabei allerlei geredetueber verteilte Schuld und schlecht verteilte Fruchtbarkeit. Aberman kann sehr wohl zugleich weinen und nachdenken, und unter mei-nen Reden habe ich in der Stille auf einen Ausweg gesonnen, oder,da es einen solchen fuer uns schwerlich gibt, welche Folgerungenaus unsrer grausamen und ausweglosen Lage gezogen werden muessen.Sie koennen nur hart sein, aber gezogen werden muessen sie, undzwar koennen wir sie nicht allein ziehen, ausser auf die Weise,dass wir uns vom hoechsten Auslug unseres Donjons zu dritt ge-radeswegs in die Hoelle stuerzen. Ist es deine Meinung, dasswir so selbstaendig handeln sollen?"

"Keineswegs. Ich habe dir gesagt, dass fuer das Kleine, dasich hier naehre, eine Staette gefunden werden muss auf Erden undim Himmel, nicht in der Hoelle."