müde vom Leiden bin und vom Ringen mit jenerAufgabe, welche mein Selbst mir stellt. Und ich darfnicht allzusehr dein, nie ganz in dir glücklich sein, umdessentwillen, was meine Sendung ist...
Er küßte sie, trennte sich von der lieblichen Wärmeihres Schlummers, sah um sich, kehrte zurück. DieGlocke mahnte ihn, wie weit schon die Nacht vorge-schritten, aber es war auch zugleich, als zeigte sie gütigdas Ende einer schweren Stunde an. Er atmete auf,seine Lippen schlossen sich fest; er ging und ergriff dieFeder... Nicht grübeln! Er war zu tief, um grübelnzu dürfen! Nicht ins Chaos hinabsteigen, sich wenig-stens nicht dort aufhalten! Sondern aus dem Chaos,welches die Fülle ist, ans Licht emporheben, wasfähig und reif ist, Form zu gewinnen. Nicht grübeln:Arbeiten! Begrenzen, ausschalten, gestalten, fertigwerden...
Und es wurde fertig, das Leidenswerk. Es wurdevielleicht nicht gut, aber es wurde fertig. Und als esfertig war, siehe, da war es auch gut. Und aus seinerSeele, aus Musik und Idee, rangen sich neue Werkehervor, klingende und schimmernde Gebilde, die inheiliger Form die unendliche Heimat wunderbarahnen ließen, wie in der Muschel das Meer saust, demsie entfischt ist.
43