440
was; aber obgleich wir duldsam sein sollen, ist Spie-lerei und Liebhaberei in diesen Dingen in hohemGrade strasbar, und ich muß Gott bitten, daß er dirund deiner Gerda — denn ich weiß, sie gehört eben-falls nicht gerade zu den Gefesteten, mit den Jahrenden nötigen Ernst darin giebt. Diese Bemerkungwirst dn deiner Mutter verzeihen."
„Oben auf dem Brunnen," las sie weiter, „denich von meinem Fenster aus sehen kann, steht eineMaria, und manchmal wird er bekränzt, und dannknieen dort Leute aus dem Volke mit Rosenkränzenund beten, was ja recht hübsch aussieht, aber es stehtgeschrieben: Gehe in dein Kämmerlein. Oft siehtman hier Mönche auf der Straße, und sie sehen rechtehrwürdig ans. Aber ste^e Dir vor, Mama, gesternfuhr in der Theatinerstraße irgend ein höherer Kir-chenmann in seiner Kutsche an mir vorüber, viel-leicht war es der Erzbischof, ein älterer Herr —genug, und dieser Herr wirft mir aus dem Fensterein paar Augen zu, wie ein Gardelieutenant! Duweißt, Mutter, ich halte nicht so sehr große Stückeauf Deine Freunde, die Missionäre und Pastoren,aber Thränen-Trieschke ist sicherlich nichts gegen diesenSuitier von einem Kirchenfürsten..."
„Pfui!" schaltete die Konsulin bekümmert ein.
„Echt Tony!" sagte der Konsul.
„Wieso, Tom?"
„Na, sollte sie ihn nicht ein bißchen provozierthaben... zur Prüfung? Ich kenne doch Tony!Und jedenfalls hat dieses ,Paar Augen' sie köstlich