Druckschrift 
1 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
438
Einzelbild herunterladen
 

schon 8 Tage hier bin; ich bin zu sehr in Anspruchgenommen worden von Allem, was es hier zu sehengiebt aber davon später. Nun frage ich erst ein-mal, ob es Euch Lieben, Dir und Tom und Gerdaund Erika und Christian und Thilda und Jda undAllen gut geht; das ist das Wichtigste.

Ach, was habe ich in diesen Tagen nicht zu sehenbekommen! Da ist die Pinakothek und die Glypto-thek und das Hofbräuhaus und das Hoftheater unddie Kirchen und viele andere Dinge. Ich muß davoumündlich erzählen, sonst schreibe ich mich tot. Aucheine Wagenfahrt im Jsarthal haben wir schon ge-macht, und für morgen ist ein Ausflug an den Würm-see in Aussicht genommen. Das geht immer soweiter; Eva ist sehr lieb zu mir, und Herr Nieder-paur, der Brauereidirektor, ist ein gemütlicher Mann.Wir wohnen an einem sehr hübschen Platz inmittender Stadt, mit einem Brunnen in der Mitte, wie beiuns auf dem Markt, und unser Haus steht ganz inder Nähe des Rathauses. Ich habe niemals einsolches Haus gesehen! Es ist von oben bis untenganz kunterbunt bemalt, mit heiligen Georgs, die denDrachen töten, und alten bayerischen Fürsten invollem Ornat und Wappen. Stellt Euch vor!

Ja, München gefällt mir ganz ausnehmend. DieLuft soll sehr nervenstärkend sein, und mit meinemMagen ist es im Augenblick ganz in Ordnung. Ichtrinke mit großem Vergnügen sehr viel Bier, um somehr, als das Wasser nicht ganz gesund ist; aber andas Essen kann ich mich noch nicht recht gewöhnen.