Druckschrift 
1 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142

auf den Tisch.Um kurz zu sein: Herr BendixGrünlich, den wir alle als einen braven und liebens-würdigen Mann kennen gelernt haben, schreibt mir,daß er während seines hiesigen Aufenthaltes einetiefe Neigung zu unserer Tochter gefaßt habe, undbittet in aller Form um ihre Hand. Was denktunser gutes Kind darüber?"

Tony saß mit gesenktem Kopfe zurückgelehnt, undihre rechte Hand drehte den silbernen Servietten-ring langsam um sich selbst. Plötzlich aber schlugsie die Augen auf, Augen, die ganz dunkel gewordenwaren und voll von Thränen standen. Und mitbedrängter Stimme stieß sie hervor:

Was will dieser Mensch von mir! Washabe ich ihm gethan?!" Worauf sie in Weinenausbrach. --

Ter Konsul warf seiner Gattin einen Blick zuund betrachtete ein wenig verlegen seine leere Tasse.

Liebe Tony," sagte die Konsulin sanft,wozudies Echauffement! Du kannst sicher sein, nicht wahr,daß deine Eltern nur dein Bestes im Auge haben,und daß sie dir nicht raten können, die Lebens-stellung auszuschlagen, die man dir anbietet. Siehstdu, ich nehme an, daß du noch keine entscheidendenEmpfindungen für Herrn Grünlich hegst, aber daskommt, ich versichere dich, das kommt mit der Zeit... Einem so jungen Dinge, wie du, ist es niemalsklar, was es eigentlich will ... Im Kopfe sieht esso wirr aus wie im Herzen ... Man muß demHerzen Zeit lassen und den Kopf offen halten für