Druckschrift 
1 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
123
Einzelbild herunterladen
 

in der Mengstraße oder draußen bei den Großeltern.Welch Glück, wenn am Ostersonntag gutes Wetterwar und man die Eier und Marzipanhasen in demungeheuren Krögerschen Garten suchen konnte!Welche Sommerserien an der See, wenn man imKnrhause wohnte, an der Table d'hote speiste, badeteund Esel ritt! Auch wurden in einigen Jahren,wenn der Konsul Geschäfte gemacht, Reisen vongrößerer Ausdehnung unternommen. Aber welchWeihnachtsfest, vor allem, mit drei Bescherungen:zu Hause, bei den Großeltern und bei Sesemi, wo-selbst an diesem Abend der Bischof in Strömen floß... Am herrlichsten aber war dennoch der Weih-nachtsabend zu Hause, denn der Konsul hielt darauf,daß das heilige Christfest mit Weihe, Glanz undStimmung begangen ward. Wenn man in tieferFeierlichkeit im Landschaftszimmer versammelt war,während die Dienstboten und allerlei alte und armeLeute, denen der Konsul die blauroten Hände drückte,sich in der Säulenhalle drängten, dann erscholl dortdraußen vierstimmiger Gesang, den die Chorknabender Marienkirche vollführten, und man bekam Herz-klopfen, so festlich war es. Tann, während schondurch die Spalten der hohen, weißen Flügelthür derTannenduft drang, verlas die Konsulin aus der altenFamilienbibel mit den ungeheuerlichen Buchstabenlangsam das Weihnachtskapitel, und war draußennoch ein Gesang verklungen, so stimmte manOTannebaum" an, während man sich in feierlichemUmzuge durch die Säulenhalle in den Saal begab,