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1 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
85
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Wangen aufs jämmerlichste ... Seit diesem Ereig-nis war es beinahe zu Ende mit der Kameradschaft.

Übrigens hatte Tony sicherlich nicht aus Schüch-ternheit dem jungen Hagenström den Kuß verweigert.Sie war ein ziemlich keckes Geschöpft das mit seinerAusgelassenheit seinen Eltern, im Besonderen demKonsul, manche Sorge bereitete, und obgleich sieein intelligentes Köpfchen besaß, das flink in derSchule erlernte, was man begehrte, so war ihr Be-tragen in so hohem Grade mangelhaft, daß schließ-lich sogar die Schulvorsteherin, welche FräuleinAgathe Vermehren hieß, ein wenig schwitzend vorVerlegenheit, in der Mengstraße erschien und derKonsulin höflichst anheimgab, der jungen Tochtereine ernstliche Ermahnung zu teil werden zu lassen denn dieselbe habe sich, trotz vieler liebevollerVerwarnungen, aus der Straße aufs neue offenkun-digen Unfugs schuldig gemacht.

Es war kein Schade, daß Tony auf ihren Gängendurch die Stadt alle Welt kannte und mit aller Weltplauderte; der Konsul zumal war hiermit ein-verstanden, weil es keinen Hochmut, sondern Ge-meinsinn und Nächstenliebe verriet. Sie kletterte,gemeinsam mit Thomas, in den Speichern an derTrave zwischen den Mengen von Hafer und Weizenumher, die aus den Böden ausgebreitet waren, sieschwatzte mit den Arbeitern und den Schreibern, diedort in den kleinen dunklen Comptoirs zu ebenerErde saßen, ja sie half sogar draußen beim Auf-winden der Säcke. Sie kannte die Schlachter, die