Druckschrift 
1 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

81

begrüßten die kleine Tochter des Konsuls Budden-brook, wenn sie durch die Gartenpforte in die Ka-stanienallee hinaustrat. Eine Gemüsefrau vielleicht,die, ihre große Strohschute mit hellgrünen Bändernauf dem Kopf, in ihrem Wägelchen vom Dorfe herein-kntschierte, rief ihr ein freundlichesGod'n Morgenook, Mamfelling!" zu, und der große KornträgerMatthiesen, der in seinem schwarzen Habit mitPumphosen, weißen Strümpfen und Schnallen-schuhen vorüberging, nahm vor Ehrerbietung sogarseinen rauhen Cylinder ab ...

Tony blieb ein bißchen stehen, um auf ihre Nach-barin Julchen Hagenström zu warten; mit der sieden Schulweg zurückzulegen pflegte. Ties war einKind mit etwas zu hohen Schultern und großen,blanken, schwarzen Augen, das nebenan in der völligvon Weinlaub bewachsenen Villa wohnte. Ihr Vater,Herr Hagenström, dessen Familie noch nicht langeam Orte ansässig war, hatte eine junge Frankfurteringeheiratet, eine Dame mit außerordentlich dickemschwarzen Haar und den größten Brillanten derStadt an den Ohren, die übrigens Semlinger hieß.Herr Hagenström, welcher Teilhaber einer Export-firma Strunck L Hagenström war, entwickeltein städtischen Angelegenheiten viel Eifer und Ehr-geiz, hatte jedoch bei Leuten mit strengeren Tra-ditionen, den Möllendorpfs, Langhals' und Budden-brooks, mit seiner Heirat einiges Befremden erregtund war, davon abgesehen, trotz seiner Rührigkeitals Mitglied von Ausschüssen, Kollegien, Verwal-

Mann, Buddenbrooks. I. 6