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8 (1835) Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch : . 8 / G bis Hältiges Gestein
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7oo Gymnastik

schränkten sich diese Spiele fast blos aufdas ^»irr<zueitiuin (s. d.) ein Da, nachdem Beispiele der Griechen, in Rom (hiereigentlich in den Thermen) unter den Kai-sern auch Philosophen, Rhetoren rc. gele-gentlich Unterricht crthcilten, der endlichförmlich wurde, bedeutet G. 2) überhaupteinen öffentlichen Ort, wo die Zugend un-terrichtet wurde, und in neuerer Zeit 3)insbes. eine gelehrte Schule, zwischen Uni-versität und Lyceum (s. b.) stehend. Vgl.Schule. (8>/-.)

Gymnastik (v. gr,), die Kunst, durchregelmäßige Leibesübungen dem Körper Ge-lenkigkeit, Kraft und Gesundheit zu ver-schaffen, w>c sie in den Gymnasien (s. d.)getrieben wurde. Diese Kunst wird von derNatur gelehrt, und ein jedes Kind, so wiedie rohesten Völker, treiben gymnastischeUebungen. Doch können ihr auch Regeln zuGrunde gelegt werden, um Liese Uebungenz» erleichtern und zu vervollkommnen, unddann wird sie G. im eigentlichen Sinne.Gegenstände der G. sind: s) das Heben, Tra-gen, Ziehen, i,) mit Anstand u. Leichtigkeitgehen, c) daS Laufen, mit Rücksicht auf Schnel-ligkeit ».Ausdauer, st) das Springen in dieHöhe, Weile oder Tiefe, mit oder ohneSpringstock, e) da» Ringen, um den Gegnerzu Boden zu werfen, oder seinen Händenetwas zu entreißen, k) da- Werfen in dieHöhe, Weite oder nach einem Ziele, kunst-los mit Steinen, oder mit der Schleuder,dem Wurfspieß, g) Las Klettern an einemglatten Körper, als an einem «eile oderan einer Stange, oder auch auf Bäumenu in felsigen Gegenden, Ir) die Haltung desGleichgewichts oder Balanciren, und zwarde- eigenen Körpers, z. B. beim Stehe»auf einem Beine, beim Stehen oder Ge-hen auf einem Balken, einem Seile, beimStelzen- u. Schlittschuhlaufen, beim Wippen,i) das Tanzen, k) Schwimmen, I) Reiten,in) Fechten mit dem Rapiere; auch gehört n)die Uebung der einzelnen Sinne u der Sprach-organe zur G. GS ist keinem Zweifel un-terworfen, daß gymnastische Uebungen dieGesundheit befördern; denn nur Unvorsich-tigkeit, Mißbrauch u. ein zu schneller Ueber-gang vom Leichtern zum Schwerer« kannGefaßt bringen; im Gegentheil wird der,welcher gymnastische Uebungen getriebenhar,, manchen Gefahren, welche doch einenjeden Menschen betreffs» kbynen, leichterentgeht« und manche Hindernisse leichterüberwinden; denn sie befördern, außer kör-perlicher Geschicklichkeit und Kraft, auchGeistesgegenwart in hohem Grade. Pflichtdes Menschen ist es, seine KLrperkräfte u.Fähigkeiten so viel wie möglich zu bilden,zumal da ein gesunder kräftiger Körperauch die geistige Tbätigkeit erleichtert; auchwird neben Geistesbildung immer noch Zeit>u Leibesübungen verbleiben, wenn nurmanche nutzlose Zeitvertreibe unterbleiben u.

Gymnastik

keine Unihätigkeit geduldet wirb. Unterden Alten war die G. am meisten au-ge-bildet bei den Griechen, u. diese theilkcndieselbe in die zum Krieg tüchtig machende(kriegerische G-), die Gesundheit er,haltende (medicinische G.) und denAthleten (f. d.) bildende (athletischeG-)-Im Mittelalter wurde eine Art G,bei den Turniren geübt. In neuerer Zeit,wo eine verschrobene Erziehungsweise dievornehmer» Stände verweichlicht und ein-zelne Vornehme fast so weit gebrachthatte, daß sie kaum allein gehen konnlen,wurde das Bedürsniß körperlicher Uebungenals Gegenmittel des herrschenden Zeitgei-stes von Neuem gefühlt. G. wurde vonAerztcn u. Erziehern empfohlen, z. B- vonStuve, I. P. Frank, Rousseau, Campe.Zn den Kreis dev Kinderunkercichts zog siezuerst Basedow in seinem dessauer Philan-thropin , ungefähr 1776. Mit Salzmannkam sie nach Schnepfenthal (HerzogthumGotha) und wurde vorzüglich durch Guts-Muihs (s. d.) systematischer eingerichtet.Jahn (s. d.) in Berlin suchte sie unter dennun gewöhnlicher» Namen TurnkunstZgnglingen zu empfehlen und zu lehrenund als einen Gegenstand obrigkeitlicherFürsorge darzustellen. Mit öffentlicher Be-willigung wurde im Frühjahr 1810 auf derHasenheide bei Berlin ein Turnplatzeingerichtet und allerlei Turngeräthefür die sich übenden Jünglinge (Turner)eingerichtet. Schon damals gab Jahn alsLurnziel die Bildung zu wehrhaften Ver-lheidigern des Vaterlandes. Durch diegroße Katastrophe von 181215 wurde dieallgemeine Aufmerksamkeit auf die Wichtig-keit gymnastischer Uebungen gelenkt. Jahnwurde 1815 in Berlin öffentlicher Lehrerder Turnkunst, und auf vielen teutschenUniversitäten fand von nun an die Turn-kunst mit Einführung der BurschenschaftenEingang; doch wurde die G. auf diese Weifebald gemißbraucht u. daher verderblich. Alsman anfing, die Burschenschaften als Quelledemagogischer Grundsätze u. als das Vehikeldemagogischer Gesellschaften zu betrachten,erhoben Biete ihre Stimmen, z. B. Kotzebue,Wadzek (s. d.) u. s. w., auck gegen die Turn-kunst, zumal da einzelne Turner durch dasTragen der Turnkleider außer derTurnzeit und durch Anmaßungen widrige-Aufsehen erregten. 18l7 mußte der Ober-medicinalrakh Löhnen in Berlin ein ärzt-liches Gutachten über das Turnwesen cin-geben, welches für dasselbe vortheilhast warund unler dem Titel: Turnen und Leben,gedruckt wurde. 1518 wurden alle Unterbe-hirden der prcuß. Monarchie aufgefordert,Berichte über den Geist und Einfluß derin ihrer Nähe vorhandenen Turnanstalken andie Regierung einzuschtcken, Al- man aberwirklich vorhandenen demagogischen Umtrie-