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10 (1835) Universal-Lexikon oder vollständiges encyclopädisches Wörterbuch : . 10 / Huß bis Karkos
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Hussüeu

kannten »Ln nicht als Herrn an. Mit Müheerlangte Wenzels Witwe tm Nov. 1419 einen5 monatlichen Stillstand mit den Pragern,doch verließ ZiSka, mit deinselben unzufrie-den, Prag, begab sich nach Pilsen und dannnach Labor, das er verstärkte und wo erdie Seinen in den Waffen übte. Sigismundverlor indessen die günstige Gelegenheit, dieH. zu besiegen, indem er gegen die Tür-ken Krieg führte; als er endlich Heimkehr,te, versprachen die Prager zu Brünn Hul-digung, allein zu Breslau zeigte sich derKaiser feindlich gegen die H., daß die Pragerwieder ihrer Zusage untreu wurden. Der Kai-ser belagerte nun die Stadt 1420 mit einemHeer von 80,000 (n. A. 120,000) M., konn-te sie jedoch, obgleich er die kleine Seiteu. beide Schlösser von früherer Zeit her imBesitz hatte, nicht bezwingen; Ziska eilte derStadt zu Hülfe und schlug einen Sturm aufsein verschanztes Lager auf dem Berge, dernoch jetzt ZiSkaberg heißt, ab, und nöthigteso den Kaiser abzuziehen, nachdem er sichzuvor noch hatte im Schloß zu Prag zumKönig von Böhmen krönen lassen. DiePrager Bürger hatten während der Bela-gerung dem Kaiser 4 Artikel (die Pragervier Artikel) vorgelegt und verspra-chen, sich, wenn diese gewährt würden, zuunterwerfen. Sie verlangten: ^Religions-freiheit, t,) das Abendmahl unter beiderleiGestalt, o) Güterlosigkeit der Geistlichkeit,ch) Bestrafung aller Todsünden mit dem Tode.Für Todsünden galten aber: bei den Welt-lichen: Unzucht, Völlerei, Diebstahl, MordMeineid, Lüge, Zauberei, Wucher; bei denGeistlichen Simonie, Geld für ein geist.liche« Amtsgeschäft anzunehmen und Ab-laß zu reichen. Natürlich nahm Sigismunddiese Bedingungen, wo besonders die letztenArtikel zu Sittengerichten führen mußte, wo-gegen da« strengste Jnquifitionsgericht mildzu nennen war, nicht an; allein dem Ziskawaren diese Forderungen noch nicht strenggenug, er verlangte noch in 12. Artikeln dieZerstörung der unnöthigen Kirchen, Altäre,Bilder und Zierrathen, den Tod auch ge-gen andre Todsünden, unter die er da« Trin-ken in Schenken und die Hoffahrt in Klei-dern und Wesen rechnete, und glaubte diehiergegen Sündigenden mit dem Schwertselbst umbringen zu müssen. Anfangs erhielter die Oberhand und setzte statt de« entsetz-ten Prager Magistrat« einen neuen ganz nachseinen Grundsätzen ein, später mißfiel aberden Pragern sein Zerstören der Kirchen undKlöster, sie widersetztcn sich, u. unwillig hier,über zog Ziska von Prag ab und verheertevon Neuem auk dem Lande die Klöster undBesitzungen der Katholiken, mit unerhörterGrausamkeit wüthend Durch jene 4 undZiska'S 12 Artikel ward die Trennung derH. ausgesprochen, sie theilten sich in die stren-ger» u. grausameren L a b o r t t e n unter Zis-

Htisfilsu 3

ka, u. die milderen Calixtiner (s. d.) ober Pra-ger. Neben beiden bestanden noch die Ore-biten (Horebiten), Bauern, die einenBerg, auf dem man vormals Gottesdiensthielt, Oreb (Horebs, d.) genannt batten,u. sich hiernach den Namen gaben, die auchnicht weniger wüthend als die Taboritendes. gegen die Mönche verfuhren. Nachder Eroberung des Wischerad unter Hussi-nec; und nach dessen Tode ward die Unei-nigkeit unter den H. immer größer. Vor-züglich brach sie auf dem Landtage zu Czaslauaus, wo man die 4Artikel allgemein annahm,Sigismund des Throns verlustig erklärte u.die Krone von Böhmen, welche WlaöiSlawJagello, König v. Polen, schon ausgeschla-gen hatte, dem Prinzen Sigmund Koribut,Bruder des Großfürsten Witold von Li-thauen, anbot. Ziska setzte sich mit seinerganzen Macht gegen diesen Schritt, wahr-scheinlich weil er selbst nach der Krone streb-te, vorgebcnd, ein freies Volk bedürfe garkeines Königs. Nur wenn dem gemeinenWesen Gefahr drohe, vereinigten sich dieParteien der H., so im Aug. 1421, um diein den Norden Böhmens eingefallene Reichs-armee unter Friedrich dem Streitbaren zu-rückzutretben, im Dec. desselben Jahres,um den gegen Czaslau vordringenden Kai-ser zu schlagen, was dem nun ganz blindenZiska, nachdem er beinahe ausgehungert wor-den wäre, auch bei Leutschbrod (8. Jan.1422) wirklich gelang. Im Sommer die-ses Jahre« kam Prinz Koribut von kit-khaucn in Böhmen an, um die gebotne Kro-ne anzunehmen. Ziska und der Landadelwollte aber diesen König nicht anerkenn-n,es kam daher zwischen den Taboriten undKalixtinern, die für Koribut waren, zumKrieg, der jedoch, da Koribut von sei-nem Lehnsherrn Wladislaw, König von Po-len, auf Bitten des Kaisers zurückgerufcnwurde, bald wieder endigte. Kurz daraufbrach er jedoch, da die Taboriten sich einePlünderung in Prag erlaubt hatten undKoribut wieder nach Böhmen zurückkehrte,von Neuem aus. Ziska belagerte 1^24 Pragund zwang es ihn um Gnade zu bitten.Von Koribut war nun nicht mehr die Re-de (er ward später von den Pragern ge-fangen gesetzt u. 1427 nach Polen zurückge-schickt), Ziska'S Ansehn wuchs aber so, daßder Kaiser ihm Friedensvorschläge unter derBedingung, daß er Statthalter bleiben sol-le, machen ließ. Was Ziska darauf geant-wortet, ist ungewiß, denn er st. kurz dar-auf 1424 an der Pest. Nach seinem Todezerfielen die bis jetzt durch sein Kriegsglückzusammen gehaltnen Taboriten und sam-melten sich um verschiedene Heerführer.Procopius (f. d.) Holy (d. i. der Geschor-ne, weil er früher Mönch gewesen war),oder der Große, befehligte die Partei, dieden Namen Taboriten beibehielten; dieA 2 andre