Theorie der Gediichmislunst.
25
lehrt, daß gerade eigentümliche und sonderbare Beziehungenoft leichter und schneller als andere dem Gedächtnis sicheinprägen.
35. Welchen Verfahrens muß man sich bedienen, um sicheine beliebige Anzahl von Wörtern schnell merken und dieselbendann in derselben Auscinandcrsolge aus dem Kopfe rück- undvorwärts genau wieder hcrsagcn zu können?
Dies geschieht dadurch, daß man je zwei auf einanderfolgende Wörter durch eine geeignete Gedankenbrücke in derbereits früher geschilderten Weise verbindet.
36. Hat man, insbesondere wenn cs sich nm das Merkenvon Hauptwörtern handelt, noch eine andere Methode?
Ja, es läßt sich auch folgender Weg einschlagen:
Man bringt alle zu merkenden Hauptwörter durch Davor-und Dazwischensetzen von Geschlechts-, Eigenschasts-, Bei-,Für-, Zeit-, Umstands- und Eigenschaftswörtern (nur keinnicht gegebenes Hauptwort), je nach der größer» oder kleinernAnzahl der zu merkenden Hauptwörter, womöglich in eineneinzigen, oder auch wohl in mehrere Sätze, welche man baldund leicht auswendiglernt, worauf man dann im stände ist,die sämtlichen gegebenen Hauptwörter vor- und rückwärtswieder herzusagen, indem man den oder die Sätze im Kopfestill wiederholt und jedes in denselben vorkommende Haupt-wort angiebt. Daß übrigens die aus den gegebenen Haupt-wörtern gebildeten Sätze oft kuriose Kombinationen geben,thut zur Sache gar nichts, wenn nur der Zweck erreicht wird.
37. Wie prägen wir uns leicht die Reihenfolge von uns sonstbekannten Namen ein?
Wir wählen statt ihrer uns recht geläufige klangähnlicheWörter oder Namen, und knüpfen diese an einander.Wollen wir uns z. B. die Namen der sieben WeisenGriechenlands — Solon, Periander, Chilon, Pittakus,Bias, Thales, Kleobulus — merken, so setzen wir fürPeriander Peru, für Chilon Chile, für Pittakus bitter, für