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Erster Abschnitt.
4. Ist dies nicht der Fall?
Nur in gewissem Sinne und bis zu einem gewissen Grade.Die Grundlage einer allgemeinen Gedächtniskunst muß derallgemeinen Bedingung des Gedächtnisses entsprechen; jededer beiden früheren Methoden aber, welche man als„Mnemotechnik" bezeichnete, gründete sich nicht auf diesesallgemeine, sondern nur auf in demselben wurzelndebesondere Mittel des Gedächtnisses. „Mnemotechnik"verdienen sie daher nur insofern genannt zu werden, als sienicht bloß die Erleichterung des natürlichen Gedächtnissesauf dem Wege der Übung, sondern die Bildung eines Kunst-gedächtnisses nach festen Regeln und somit allerdings denwahren Zweck der Gedächtniskunst wenigstens anstrebcn.
5. Welches waren diese beiden Methoden?
Diejenige der Alten, welche alles zu Merkende in Bildernan gewisse Plätze band; und die der Neueren, welche alleeinzuprägenden Vorstellungen nur als Begriffe festknüpfte.Zum Unterschiede der einen von der andern, und beider vonder eigentlichen oder allgemeinen Gedächtniskunst, wollen wirerstere, da sie nur loziert, die lozierende, letztere aber, weilsic nur reflektiert, diereflektierende Gedächtniskunst nennen.
6. Wer ist der Erfinder der Gcdächtniskiinst?
Als denjenigen, der sich, zum Zwecke des Einprägensder Vorstellungen, zuerst des Anknüpfens derselben anÖrtlichkeiten bedient haben soll, nennt man den DichterSimonides aus Keos (j- 469 v. Ehr. Geb.); da aber dieGeschichte der Bilderschrift, von welcher man nur einenSchritt bis zur lozierenden Mnemotechnik hatte, sich inÄgypten bis ins hohe Altertum verliert, unddaPythagoras,ein Zeitgenosse des Simonides, der gleichfalls eine Gedächtnis-kunst gekannt und gelehrt haben soll, nicht allein aus indischenQuellen schöpfte, sondern sich selbst eine zeitlang in Ägyptenaufhielt, so hat vielleicht Pythagoras jene ersten Anfängeder Gedächtniskunst gleichzeitig mit dem Simonides, odernoch früher als dieser gekannt.