Druckschrift 
3 (1935) Das Viaticum narrationum des Henmannus Bononiensis : mit literargeschichtl. Anm.
Entstehung
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung.

Die für die vergleichende Literaturgeschichte des Mittelaltersnicht unwichtige Sammlung eines uns sonst unbekannten Hen-mannus Bononiensis (Hermann aus Bologna?), die er Viati-cum narrationum betitelt, hat die Aufmerksamkeit nur wenigerForscher auf sich gelenkt. Selbst J. Th. Welter, L'exemplum dansla littörature religieuse et didactique du moyen age, Paris 1927,hat sie unberücksichtigt gelassen. Doch war es schon 1892J. Schwalm, dem wir die Neuausgabe der Chronica novella des1438 gest. Lübeckers Hermann Korner (Göttingen 189B) verdanken,geglückt, die in der Kornerchronik enthaltenen Anekdoten (s. seineEinleitung S. XXIV) in einer bis dahin nicht beachteten Kopen-hagener Handschrift aufzufinden, lieber das Verhältnis dieser 17Auszüge zum Original hat Schwalm a. a. 0. als Historiker seinUrteil gefällt:Korner hat gerade bei den dem Viaticum ent-nommenen Abschnitten seiner Willkür in der Anfügung von Ein-zelheiten, die scheinbar genauerer Kenntnis entspringen, und inder freien Erfindung der Personen- und Ortsnamen völlig die Zügelschießen lassen und in jeder Fassung nach Belieben anders. DieFassung a kommt dem Wortlaut des Viaticum am nächsten. Daßdiese Erzählungen in den einzelnen Fassungen zu den verschie-densten Jahren gesetzt und mit erfundenen chronologischen Be-ziehungen versehen sind, ist weniger auffällig, da die Vorlage niechronologische Angaben bringt." Schwalm veranlaßte auch 1893eine Abschrift jener Kopenhagener Hs., die von stud. hist. R. Schultzesehr sorgfältig angefertigt wurde und noch heute bei der Wede-kindstiftung in Göttingen liegt. Doch zu einer Publikation istSchwalm (a. a. 0.: ,,Die wichtigsten Teile sollen in absehbarer Zeitgleichsam als Anhang zum Korner veröffentlicht werden") nichtmehr gekommen, wohl deswegen, weil ihm der novellistische Cha-rakter des Werkes nicht lag, auch die Aufdeckung der literari-schen Quellen und Parallelen der Einzelstücke ein tieferes Ver-senken in die vergleichende Literaturgeschichte auferlegt hätte.Er ermunterte mich daher bereits in meiner Breslauer Zeit, alsmir 1915 Schultzes Kopie zugesandt wurde, zur Edition mit lite-

Abhandlungen d. Oes. d. Wiss. zu Oöttingen. Phil.-Hist. Kl. 3. Folge, Nr. 16. 1