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15 (1848) Vitet bis Zwolle und Universalregister
Entstehung
Seite
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6 Vögel

erheischt als das Laufen auf fester Erde, so erhielten die Flügelknochdn und die bewegendenMuskeln derselben eine in anderen Thierclassen beispiellose Ausbildung. Aus den ver-schiedenen Stufen derselben schließt man auf die Flugfcrtigkeit eines Vogels; sie ist amgeringsten bei dem laufenden und zum Fluge völlig unfähigen Strauße und den allein zumSchwimmen befähigten Pinguinen, am größten bei Raubvögeln und Schwalben. BesondereVorrichtungen in der Gliederung der Flügel, in ihren Gelenken u. s. w. machen Ausrenkungselbst bei heftigster Anstrengung unmöglich. Die Schnelligkeit und Art des Fluges hängenaußerdem ab von den Umrissen des ausgebreiteten Flügels, welche durch dieLänge odcrKürzeder nach festen Gesetzen vertheilten Schwingfedcrn bedingt werden. Die letzter» fehlen nursehr wenigen zum Fluge unfähigen Vögeln. Die Füße lassen noch augenfälligere Verschieden-heiten gewahren. Sie dienen zwar nur sehr wenigen zum Greifen, wie z.B. den Papagaien,erscheinen aber dennoch unter den mannichfachstcn Gestalten; als hohe Stelzen bei Wade-vögeln, als breite und kurze Ruder bei Schwimmvögeln, als furchtbare Werkzeuge zurLödtung oder ^um Festhalten der Beute bestimmt bei Raubvögeln, als Kletterfüße beiSpechten, als gewöhnliche und einfacher gebildete Stütze bei der Unzahl kleinerer, von Samenoder Insekten lebenden Arten. Fast alle Bewegungen der Vögel sind energisch, namentlichzeigen sie im Fluge ebenso große Kraft als Ausdauer, welche als Resultate einer sehr voll-kommenen Athmung und angemessenen Säuerung deS Blutes, und überhaupt als Aus-druck eines im gesteigerten Maße von statten gehenden Lebensprocesses gelten müssen. Dadie Vögel auf eine unübersehbareMenge von Nährstoffen angewiesen sind, so unterliegt auchder Schnabel unzähligen Abänderungen in Länge und Umrissen. Er besteht auS den Ober-kiefer- und Zwischenkieferknochen, die mit einer hornigen Scheide überzogen sind, und ausdein Unterkiefer. DieErforschung des Verhältnisses, welches zwischen derArt derNahrungs-mittel und der Form des Schnabels stattfindek, und der Verbindung, welche hinsichtlichäußerer Bildung zwischen dem Schnabel und den Werkzeugen der Orksbewegung besteht,darf als einer der interessantesten Gegenstände der Ornithologie angesehen werden. Ausder Form des Schnabels allgemeine Folgerungen über Nahrung und sonach Lebensweiseeines Vogels zu ziehen, ist nicht schwer, wenn gewisse allgemeine Lehrsätze richtig erfaßt sind;allein scharfe Würdigung jenes Gebildes und zumal die Auffindung der oft sehr gering-fügigen Unterschiede, auf welche Systematiker Gewicht gelegt haben, erfodertErfahrnng undUmsicht. Der Bau der Verdauungswerkzeuge ändert sich natürlich ebenso wie derjenige des-LMabels; animalische Stoffe, zumal wenn sie in Fäulniß übcrgegangen, brauchen alsschnell verdauliche nur furze Zeit im Magen zu verweilen und bedürfen der mechanischenZerkleinerung nicht. Der Magen eines RaubvogefLMLstHrr einfach und dünnhäutig,- der-jenige eines Körnerfreffers hingegen mehrfach und auS Muskeln zusammengesetzt, welche diekräftigsten Zusammenziehungen vorzunehmen vermögen. Eine eigentliche Urinblase hat nurder Strauß; bei anderen Vögeln ergießt sich jene Flüssigkeit in die sogenannte Cloakc, einedurch den After geschlossene Erweiterung des Mastdarmes, die zugleich auch die Mündungender Fortpflanzungsorgane enthält. Die Sinnesorgane gleichen im Allgemeinen denjenigender Säugkhiere, doch lehrt genaue anatomische Untersuchung feine Verschiedenheiten kennen.JhreSchärfe ist nicht gleich, und zumal treten Fühl-und Tastsinn um so mehr zurück, als derKörper in eine dichte Federdecke eingehüllt ist und der mehrentheils harte Schnabel und dieFüße wenige oder keine Anwendbarkeit als Tastorgane besitzen. Auffälliger noch als die sehrvielen verliehene Scharfsichtigkeit ist die Fähigkeit, das Auge den Entfernungen anzupaffenund nach Willkür weit- oder kurzsichtig zu sein; sie entsteht aus einer besondern Einrichtungin der hintern Augenkammev. Sehr entwickelten Riechsinn besitzen nur Geier und Raub-vögel, bei Waffervögeln ist er geringer und bei Singvögeln steht er wahrscheinlich auf derniedrigsten Stufe. Ausgezeichnet scharf ist das Gehör aller nächtlichen Vögel, besonders aberder Eulen; für kleine Tonunterschiede empfänglich muß es bei allen Singvögeln sein.Schmecksahigkeit im höhern Grade kann nur solchen zugetraut werden, die eine fleischigeZunge besitzen, wie die Papagaien; sie wird schon darum nur gering sein, weil kein Vogeleigentlich kaut, und die Nahrung daher niemals länger in der Mundhöhle verweilt. AlleVögel legen Eier, die sie bebrüten und niemals den elementaren Einflüssen behufs der Zei-tigung überlassen, wie Reptilien es thun. Sie leben entweder im monogamischen oder auch