2 Vitruvius Viviani
sie überall nach. In der neuern Zeit hat auch der Mangan Vitriol oder das schwefelsaureManganoxydul, besonders aus den Rückständen der Chlorbereitung fabricirt, Wichtigkeit inder Färberei erlangt.
Vitruvius (Marcus) Pollio, ein berühmter rom. Architekt und als solcher eurstrenger Schüler der röm. Meister, wahrscheinlich aus Verona gebürtig, lebte im Zeitalterdes Augustus und Tiberius und verfaßte ein Werk „Vs nrcliitecturit", das einzige dieserArt, welches aus dem Alterthume auf uns gekommen ist. Dasselbe bestand ursprünglichaus zehn Büchern, von denen sich aber nur die sieben ersten und einige Abschnitte des neun-ten erhalten haben, die zuerst von dem Florentiner Poggi in der Bibliothek zu Sanct-Gallenentdeckt wurden. Außerdem besitzen wir noch unter dem Titel „Lpitnms Vitruvii" einenAuszug aus späterer Zeit. Zn den ersten vier Büchern wird nach einigen einleitenden Be-merkungen über die Baukunst überhaupt und die Erfodernisse eines Künstlers, von Bau-material, von der Aufführung der Tempel und der verschiedenen Säulenordnungen, von derAnlage öffentlicher Uä-e- und Gebäude sowie der Privakwohnungen in der Stadt und aufdem Lande, von der äußern Verzierung und Innern Ausschmückung derselben, in den dreiletzten Büchern besonders über Anlegung und Structur von Wasserleitungen, über Verfer-tigung von Sonnenuhren und Maschinen u. s. w. gehandelt. (S. Baukunst.) Leider abermachen die vielfachen Schwierigkeiten des Gegenstandes selbst, die geringe Befähigung des .Verfassers für eine reine und klare Darstellung und dessen mangelhafte Kcnntniß der griech.Sprache diese ihrem Inhalte nach so wichtige Schrift undeutlich und die Erklärung oftschwankend. Nächst der ersten Ausgabe (Nom 1468, Fol.) erwähnen wir als die vorzüg-lichsten die von Z. de Laet (Amst. 1640, Fol.), A. Node (2 Bde., Bcrl. 1866, 4., nebsteinem Band mit Kupfern, 1861, Fol.), Z. E. Schneider (3 Bde., Lpz. 1861—8), Stra-tico (4 Bde., Udine 1825—36, 4., mit Kupfern und einem „vexicon Vitruvisnum") und jMarini (4 Bde., Rom 1836, Fol.); ferner die deutsche Übersetzung von A. Node (2 Bde., >Lpz. 1796) und die ital. Von Viviani mit einem „virrionsria universale el'srciiilettiira"(Udine 1836). Zur Erläuterung dienen auch Genelli's „Exegetische Briefe übcr V.'s Bau-kunst" (2Hefte, Braunschw. undBerl. 1861—4, 4.) undStieglitz's „ArchäologischeUnter-haltungen" (Lpz. 1826).
Vittvria, die Hauptstadt der baskischen Provinz Alava in Spanien, an der Zadorra,nach alter Art befestigt, mit 7666 E-, welche bedeutenden Handel mit Stahl, Eisen, Ge-treibe und Wein treiben, wurde besonders berühmt durch den Sieg Wellington's über dieFranzosen inder Schlacht am 21. Juni 1813. (S. Spanien.) Zm Mittelalter erfochtder Schwarze Prinz 1367 hier cbentatts ^meu Sica zu Gunsten Peter'S des Grausamenvon Castilien. - , ,
Vittoria (Herzog von), s. Espartero (Don Baldamero).
Viviani (Vincenzo), ein berühmter ital. Mathematiker, geb. zu Florenz am 3. Apr.1622, widmete sich von seinem 16. Jahre an mit solchem Erfolge dem Studium der Geo-metrie, daß Galilei sich bewogen fand, ihn in seinen besondern Unterricht und in seine Um-gebung zu nehmen. V. begleitete denselben in seine Einsamkeit, zu der er vom Jnquisitions-gericht verurtheilt war, pflegte ihn sorgsam und wich bis zu dessen Tode, im I. 1642, nicktvon seiner Seite. Im I. 1666 wurde V. erster Mathematiker des Großherzvgs Fer-dinand II. zu Florenz und gewann das ganze Vertrauen dieses liberalen Beförderers derWissenschaften und Künste. Wie sein Vorgänger Torricelli war er Mitglied der von Fer-dinand II. errichteten ^ccackem!» <IeI ciment». Auch bediente men sich seines RatheS unterAnderm bei der Entwässerung des Val di Chiana. Ludwig XIV. ernannte ihn > 699 zumMitglied« der Akademie der Wissenschaften in Paris und setzte ihm eine bedeutende Peirsionaus, die V. zum Bau eines Hauses in Florenz verwendete, welches er zum Denkmale seinesLehrers Galilei bestimmt hatte. Über dem Eingänge stand Galilei's Büste in Erz, in deninnern Räumen aber waren die großen Entdeckungen desselben in Basrelief dargestellt.V. starb am 22. Sept. 1763 mit dem Rufe eines der größten Gelehrten seiner Zeit. SeinenScharfsinn bewies er besonders in dem Plane, die verloren gegangenen fünf Bücher desgriech. Mathematikers Aristäus über die Kegelabschnitte („Ilivioatia in Xristuemn", Flor.1761, Fol.) und das damals ebenfalls verloren geglaubte vierte Buch des Mathematikers