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6 (1845) Gebler bis Heilsordnung
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462 Großbritannien !

Zehntberechtigten sogar abhiclten, ihre Fodernngcn gerichtlich geltend zu machen. Dieseund andere Gesetzlosigkeiten bestimmten Erey, der überdies alle Vorurtheile der Tories ge-gen Irland rheilte, die sogenannteirische ZwangSbill einzubringcn, die dem Lordlieutcnantvon Irland in gewissen Fällen die Anwendung des Kriegsrechts zugestand. Selbst mehreMinister waren mit dieser Maßregel nicht einverstanden; die Bill ging jedoch unter leb-haftem Widerspruch durch. Um indessen die Ecmüther zu besänftigen, brachte hierauf dasMinisterium die sogenannte irische Kirchenreformbill vor die Häuser, nach welcher die Kir-chensteuer aufgehoben, die Einkünfte aller Pfründen herabgesetzt, der Grundbesitz der Bis-thümcr verpachtet, die nnnöthigen Wschofsitze und Kirchen aber abgeschafft werden sollten.

Die Bill, die das Interesse dcrKirche so wesentlich verletzte, ging dessenungeachtet mit eini- /gen Veränderungen in beiden Häusern durch. Noch weniger Anstoß fand die Aufhebung desPrivilegiums der Ostindischen Compagnie; es wurde beschlossen, daß der Handel nach In- 'dien und China nun frei, und dieÜbersiedclung brit. Unterthancn in die ostind. Länder un-beschränkt sein sollte. Die Minister brachten jetzt einen Vorschlag, die sogenannte Zehnt-bill, vor das Haus, nach welchem die Zehnten in England und Irland in eine Eeldabgabeverwandelt wurden, die nicht der Pächter sondern der Grundbesitzer tragen sollte. DieÜberschüsse aus der Verwendung des irischen Kirchcnvcrmögens aber sollten nach dieser Billzu gemeinnützigen Zwecken, besonders im Schul- und Armcnwescn, verwendet werden. Dieseletztere Bestimmung, die sogenannte Appropriationsclauselss.d.), erregte großes Mis-fallen nicht nur bei den Tories sondern auch bei den Protestanten überhaupt ; selbst unter denMinistern hatte sie Anstoß gefunden. Als Grey nun überdies vernahm, daß einige Mit-glieder des Cabinets auf ihre Hand mit O'Connell in Rücksicht der Zwangsbill in Unter-handlung getreten, legte er misvergnügt am 19 . Juli 1834 sein Amt nieder, und LordMelbourne trat an die Spitze des Cabinets. Der Charakter des Ministeriums war da-durch nicht geändert worden; nur fiel die Zwangsbill weg. Am 16. Aug., nachdem dasUnterhaus die Zchntbill angenommen, das Oberhaus aber verworfen hakte, wurde dasstürmische Parlament vertagt. Die Tories benutzten die Zwischenzeit, um das Volk gegendie Minister einzunehmen, indem sie religiösen Haß gegen die Katholiken und Besorgnisseüber die Verbindungen des Cabinets mit O'Connell zu erregen suchten. Der König wurdedurch diese Verdächtigungen in der That so in Schrecken gesetzt, daß er am 14 . Nov. 1834das Ministerium plötzlich entließ. Peel mußte nun, da die gemäßigten Whigs keine Ver-bindung eingehen mochten, ein Torycabinet bilden. Auch das Parlament war am 36 . Dec. ^aufgelöst worden; allein als das neue am 19 . Febr. 1835 eröffnet wurde, zeigte es sich so-gleich, daß das Ministerium die Majorität und das Vertrauen des Hauses nicht besaß.Mehre freisinnige Vorschläge Peel's, wie die Aufhebung der geistlichen Localgerichte und dieBefreiung der Dissenters vom bischöflichen Trauzwang, wurden angenommen. Als jedochbei der Discussion über eine zweite Zehntbill Lord Russell die Beifügung der Appropria-tionsclausel beantragte und das Amendement nach dem heftigsten Kampfe der Tories durch-ging, legten die Minister im Apr. ihre Ämter wieder nieder. Der König nahm seine Zu-flucht zu Melbourne, der das Cabinet ans seinen frühem Kollegen rcorganistrte. Das Mi-nisterium schöpfte nun aus dem Betragen des Unterhauses Muth, eine äußerst wichtigeMaßregel vor das Parlament zu bringen. In England nämlich befand sich die städtischeVerwaltung in der traurigsten Verfassung; die Magistrate ergänzten sich gewöhnlich selbst, ^legten den Einwohnern willkürliche Abgaben auf und vertraten denselben den Weg zumBürgerrecht. Russell brachte eine Bill ein, nach welcher die städtischen Beamten aus freierWahl hervorgehen und Jeder das Wahlrecht üben sollte, der Steuern bezahlte. Im Un-terhause ging das Gesetz ohne bedeutenden Widerspruch durch? während die Lords das alteUnwesen als Stütze der Äristokratie betrachteten und die Bill durch allerlei Umwege zuverkümmern suchten. Endlich wurde diese Bill, nachdem das Volk die heftigsten Demon-strationen gemacht und mit Äbschaffung des Oberhauses gedroht hatte, im Nov. angenom-men. Zur Zustimmung einer dritten Zchntbill, die im Unterhause mit der Appropriations- ^clausel schon durchgegangen, konnten indessen die Lords nicht bewogen werden. Obschon :die Tories mit großem Eifer dahin strebten, das Ministerium beim Volke als mit den Ka-tholiken verschworen darzustellen, so zeigte doch die Parlamentssitzung von 1836 sogleich