Griechische Kirche 407
Bischöfen gehaltenen Synoden die alte Lehre und die Absonderung der griech. Kirche vonder lat. wieder her. Den letzten Versuch einer Vereinigung machte der von den Türkenaufs äußerste bedrängte griech. Kaiser Johannes VI. Paläologus auf der 1438 zu Ferraraund im folgenden Jahre zu Floren; unter dem Vorsitz Papst Eugen's IV. gehaltenen Kir-chenvcrsammlung; allein die griech. Geistlichkeit wie das Volk verwarfen dieselbe. Seitder Eroberung Konstantinopels durch die Türken im I. 14 33 hatten die Bemühungen derrom.-katholischen Kirche, sich die griech. ;u unterwerfen, nur den Erfolg, einzelne Gemein-den in Italien, wohin sich viele Griechen vor den Türken geflüchtet, in Ungarn, Galizien,Polen und Lithauen gegen das Zugcständniß der Pricsierehe und des Abendmahls unterbeiderlei Gestalt unter die Hoheit des Papstes zu bringen, welche jetzt unter dem NamenUnirte Griechen (s. d.) bekannt sind. Die Unterhandlungen, welche die würkembergcrTheologen, namentlich Jak. Andreä, in den I. >576—81 mit dem Patriarchen Jeremiasvon Konstantinopel wegen eines Anschlusses der griech. Kirche an die protestantische pflo-gen, führten zu nichts, da man sich über die Grundlehren nicht einigen konnte.
Zum Gebiete der griech. Kirche gehörten bis in das 7. Jahrh., außer Ostillyrien, demeigentlichen Griechenlande mit Morea und dem Archipel, auch Kleinasien, Syrien mit Pa-lästina, Arabien, Ägypten und zahlreiche Gemeinden in Mesopotamien und Persien; al-lein durch die Eroberungen Mohammed s und seiner Nachfolger verlor sie seit 83» fast alleihre Provinzen in Asien und Afrika, und selbst in Europa wurde die Zahl ihrer Anhängerdurch die Türken im 15. Jahrh. beträchtlich vermindert. Auf der andern Seite sielen ihrjedoch mehre slawische Völkerschaften und besonders die Nüssen zu, welche der GroßfürstWladimir der Heilige (s. d.) 988 zur Annahme des griech.-christlichen Glaubens no-lhigte. Zu den vier Patriarchen von Konsiantinopel, Alexandria, Antiochia und Jerusa-lem kam seit 1589 der zu Moskau als fünfter. Den Russen verdankt die griech. Kirche ihreinziges symbolisches Buch. Nachdem nämlich der gelehrte Patriarch Cyrillus Lukaris zuKonstantinopel die in seinem Klaubensbekenntniß merkbare Annäherung an den Calvinis-mus >638 mit dem Leben gebüßt hatte, wurde >642 von dem Metropoliten Pet. Mogilaszu Kiew eine Darstellung des Glaubens der Russen abgcfaßt und unter dem Titel „Ortho-doxes Glaubensbekenntnis der katholischen und apostolischen morgenländ. Kirche" vonsämmtlichen Patriarchen der griech. Kirche, >643 unterzeichnet und bestätigt, >662 griech.und lat. mit einer Vorrede des Patriarchen Nektarins von Jerusalem in Amsterdam ge-druckt, auch 1722 auf Befehl Peter des Großen von dem heiligen Synod herausgegeben.
Die griech. Kirche erkennt wie die katholische als Quelle des Glaubens die Bibel, mitAusnahme der Apokryphen, und die Tradition an, unter welcher letzter« sie solche Lehrenversteht, die die Apostel blos mündlich vorgetragcn und die griech. Kirchenväter, besondersBa silius (s. d.), Gregor v on Na rianz (s. d.), Chrysostomus (s. d.) und Johan-nes Chrysorrhoas (s. d.),wie auch die sieben ersten allgemeinen Kirchenversammlungcnbestätigt haben. Den Patriarchen und Synoden untersagt sie, neue Lehrsätze aufzusiellen;die ihrigen aber sind so nothwendig, daß sic ohne Verlust der Seligkeit nicht abgcleugnctwerden können. Ganz eigenthümlich ist ihr die Lehre, daß der heilige Geist nur vom Vaterausgehe, wodurch sie von den Katholiken und Protestanten abwcicht. Über das Vcrhältnißzwischen Natur und Gnade (s. d.) denkt sie semipelagianisch. (S. Pclagius.) Wie diekatholische Kirche nimmt sie sieben Sacramente an: Taufe, Chrispia, Abendmahl mit vor-hergehender Ohrenbeichte, Buße, Priestcrthum, Ehe und letzte Ölung; doch hat sie dasEigene, daß sie bei der Taufe das dreimalige Eintauchen des ganzen Körpers ins Wasserzur völligen Reinigung von der Erbsünde für nothwendig hält und das Chrisma (Fir-mung) als die Vollendung der Taufe gleich damit verbindet; daß sie beim heiligen Abcnd-mahle zwar die Transsubstantiation, auch das Meßopfer, aber nicht die Anbetung der Ho-stie lehrt und überdies verschreibt, daß das Brot gesäuert, der Wein nach oriental. Weisemit Wasser vermischt, und beide Gestalten Jedermann, auch den Kindern, in dem Maßegereicht werden, daß der Commnnicant das Brot gebrochen in einem mit dem geweihtenWeine gefüllten Löffel erhält; und endlich, daß sic bei dem Priestcrthum allen Geistlichen,mit Ausnahme der Klostergeistlichen und der aus ihnen zu wählenden höhern Geistlichkeitbis zum Bischof herab, die Ehe mit einer Jungfrau gebietet, mit einer Witwe aber sowie