Suetorrius 761
Auf Zureden seiner Freunde verarbeitete er seine Neiseeindrücke zu einer Romandichtung,welche unter dem Titel „Xernocle le pirats" (Par. 1830) erschien. DieserVersuch hatteeinens solchen Erfolg, daß er sich zu neuen Productionen angetrieben sah. So wurde er mit dem be-kannten Corbiere Begründer des Seeromans in Frankreich. In dem nämlichen Genre lieferteer im Verlauf seiner literarischen Thätigkeit noch „?Iicle et klodc" (1831), „Vtar-6uli"(1831) ,,1.s Sslamanüre" (1832) und „Xa vigie cle Xostvven" (1833). Diese vorzugsweiseBerücksichtigung von Marinestoffen führte ihn dann zur historischen Behandlung des franz.j Seewesens. Seine „liistoire cle In marine krsnh. SOUS Xonis XIV" (5 Bde., Par. 1335I —37) und der gewissermaßen als Einleitung und Ergänzung dazu dienende „Xdrege <Ie
V I'üistvire eie In marine militaire cle tous les penples" sind ganz brauchbare Arbeiten.
Später wendete er sich in seinem „Xatreaumnnt", „llean <7avs!ier", „Xetorieres" und „Xecommsneleur cle Nulte" dem beliebten historischen Romane zu, und behandelte endlich inden Romanen „Xrtllur" (I 838—39), „Xu Xoucurutcbu" (1834), „Deleztar" (1839),„X'bütel Xumbert", NatdilOe" und „'Vberess vuno^er" Bilder aus dem Eesellschafts-leben, die er selbst als sogenannte Sittenromane bezeichnet wissen will, obgleich er namentlichin seinen ersten Schöpfungen den Principien der Sittlichkeit und der poetischen Gerechtigkeitnicht eben sehr auffallend zu huldigen pflegte. Nicht allein daß bei ihm das Laster meisttriumphirt, gefällt er sich auch in der grellsten Ausmalung sittlicher Verirrungen und ver-letzt nicht selten durch die ganze Tendenz seiner Dichtungen, denen Farbenpracht und fol-terndes Interesse nicht abzusprechen,sind. In neuester Zeit hat S. namentlich in seinen viel-gelesenen, in zahllosen Ausgaben, Übersetzungen und Nachbildungen verbreiteten „Xes mx-Störes cle ?aris" (8 Bde., 1842—43) einen höhern Standpunkt angestrebt, indem er denNomanstoff durch Berücksichtigung eingreisender Zeitfragen über Pauperismus, Gefängniß-! wesen u. s. w. zu würzen suchte. Das ungeheure Glück, welches diese vom ästhetischen
^ Standpunkte aus ungenügende Schöpfung, die aber als Sittengemälde und Anhäufung
einzelner glänzender Partien Beachtung verdient, machte, hat ihn auf der Bahn des socialenRomans weiter getrieben. Bei seinem „3»if errant" (1845), welcher anfangs den geheg-ten Erwartungen keineswegs entsprach, hat er in der Folge das große Publicum dadurchwieder zu bestechen verstanden, daß er die Zesuitcnangelegenheit mit kühner Wendung fürseine Dichtung benutzte, sowie er auch seinem neuesten Werke „Nartin l'enl'ant-tiouve"durch Einverwebung socialistischer Tendenzen einen eigenthümlichenReiz verschaffte. S. hatsich auch als dramatischer Dichter versucht, z. B. in seinem „Xatreaumoat", „Xa preteo-daiite", „Xes masteres cle karis", „Xe fmk errant"; aber der Werth dieser Leistungen istum so geringer anzuschlagen, als er hier, oft nickt, einmal mit sonderlichem Geschick, solcheStoffe, die er als Romandichtcr bereits abgenutzt hat, verarbeitet. Überhaupt ist cs vorhcr-zusehen, daß S. bei der Hast, mit welcher er arbeitet, und bei der tendenziösen Anlage seinerneuen Schöpfungen das bedeutende Talent der Darstellung, welches ihm zuerkannt werdenmuß, bald zersplittert und verflacht haben wird.
Suetonius (Casus Tranquillus), röm. Geschichtschreiber, um 70—121 n. Ehr.,widmete sich der Rhetorik und Grammatik, trat dann in Rom als gerichtlicher Redner auf. und wurde durch Vermittelung seines vertrauten Freundes, des jünger» Plimus, unter Tra-' jan zur Würde eines Tribunen erhoben. Nach dem Tode seines Gönners wurde er bei demKaiser Hadrian Eeheimschrciber oder Magister epistcflarnm, verlor aber diese Stelle wieder,zog sich von nun an in die Einsamkeit zurück und wendete wahrscheinlich diese Muße zurAusarbeitung seiner historischen Werke an, zu welchen ihm als Secretair des Kaisers diebesten Materialien zu sammeln Gelegenheit geboten war. Diese Werke bestehen zunächst ausden Lebensbeschreibungen der zwölf ersten Kaiser, von Julius Cäsar bis auf Domitianus,„Vitae XII imperatorum", die in einer ziemlich correcten, klaren und ungekünsteltenSprache eine Menge der anziehendsten und lehrreichsten Nachrichten und Aufschlüsse aus' der Geschichte dieser Kaiser enthalten, wobei wir häufig in die kleinsten Details ihres häus-
lichen und öffentlichen Leb ens und in die geheimsten Züge ihrer Charaktere eingeführt werden.Die übrigen cknter seinem Namen vorhandenen kleinern Schriften, „De illustribus grawma-ticis", ferner „De claris rbetoridus" und die Biographien der Dichter Terenlius, HoratiuS,