Druckschrift 
13 (1847) Schouw bis Suetonius
Entstehung
Seite
8
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8 Schriftgießerei

ihrem Erfinder, dem Schriftgicßcr Schwabach, ist eine nach altgoth. Art gebildete Fractur-sthrift. Im technischen Sinne gehören zu den Schriften auch die Zahlen und Interpunktions-zeichen, sowie dicSpaticn, Quadrate, Halbquadrate und Schließquadrate, wodurch im SäheWorte oder Zeilen voneinander getrennt oder die sogenannten Auslaufzcilen ausgefüllk wer-de», wesbalb sie nicht die Länge haben, wie die Buchstabensorte, zu welcher sie gehören.

Schriftgießerei. Die Erfindung der Buchdruckerknnst schloß, streng genommen, dieder Schriftgießerei in sich ein; denn sobald man dahzn gekommen war, geschnittene Holz-platten zu einzelnen Buchstaben zu zcrtheilcn und diese als bewegliche Typen zum Satze zuverwenden, so mußte man auch darauf denken, sehr viele und gleichmäßige Typen auf be-quemere Weise anzufertigcn, und dazu lag natürlich der Guß am nächsten. Schon Pct.Scböffcr wendete 1-152 dieses Verfahren an. Sowie die Erfindung der Buchdruckcrei eineecht deutsche ist, so find es auch Deutsche gewesen, welche dieselbe zuerst auf eine hohe Stufeder Vollkommenheit brachten, denn Arn. Pannarz und Konr. Schwcinheim erfanden im I.

1467, während man bis dahin nur deutsche (gothische) Lettern verwendet hatte, in Nom diejetzt noch gebräuchliche lateinische, die Antiquaschrift. Das erste Ersoderniß zu einer gutenSchrift sind aber dicStempcl, mittels deren die Formen zumGusse der Lettern odcrSchrif-ten (s. d.) erzeugt werden. Die ersten und besten Stempclschneider waren in Nürnberg undman ließ sich für die neuanzulegcndcn Gießereien die Abschläge der Schriften von dort kom-men. In Leipzig wurde die erste Schriftgießerei im I. 1656 von Hahn gegründet, wclcksnachher an Janson überging und ans der die berühmte Eberhardssche entstand; diese abercbcnsowol als die damals gleichzeitig bestehende hatte Stempel von Nürnberg. Erst Müllerlegte sich ans dieStcmpelschncidcrci und als er ziemlich jung starb, kamen seine Stempel undseine Gießerei durch Hcirath seiner Witwe 1719 an Beruh. Christoph Breitkopf, dessenSohn, Joh. Gottlob Jmman. Breitkopf (s. d.), später als der eigentliche Schöpfer derleipziger Typographie sich auszeichnete. Die ausgezeichnetsten Schriftgießereien der neuernZeit sind die von Bodoni, Elzevir und Stephanus, Ka.skerville, Didot, Zink und Schmidt;gegenwärtig genießen die Schriften der Gießereien von Breitkopf und Härtess F. A. Brock-haus (früher Wallbaum in Weimar), Karl Tanchnitz in Leipzig, Hänel in Berlin, Haaseund Söhne in Prag und die Staatsdruckerci und die Mcchitaristendruckerei in Wien ei-nes hohen Rufes.

Was d:cTcchnikdcrSchriftgießcreibctrifft,sogeschichtderGußinFormen,densogenann-tcn Gießinstrumcntcn, welche dieEinrichtunghaben, daß man sie für die verschiedenen Letterneiner und derselben Schriftart weiter und enger, je nach der Breite der Lettern machen, unddie eigcntlichcnSchriftformcn, dicMatrizcn, verändern kann. Die letzter» bestehen aus einemStückchen Kupfer, auf welchem mittels des vorher geschnittenen stählernen und gehärtetenStempels die Form der Letter vertieft abgeschlagen ist und welche dann genau regulirt wird.Diese Matrize wird nun zuerst in das Instrument gesetzt und dessen einzelne Thcile dannnach der Schrifthöhe und der Breite des Buchstabens durch Schrauben festgestellt. In dieauf solche Weise nach und nach für jeden einzelnen Buchstaben vorbereitete Form gießt nunder Arbeiter das geschmolzene Schriftgut, eine Mischung von Blei mit'/,sss, Antimonoder >6 Theile Blei, 2 Thcile Antimon und I Theil Wißmukh, worauf er die Form öffnet,die Letter auswirft und das Instrument dann wieder znm Guß schließt. Von dem gegossenenBuchstaben wird nun der Anguß abgebrochen, der an den Kanten vorstehende Grad aufeinem Sandsteine abgeschliffen und eine ganze Reihe solcher Buchstaben in dem Bestoßin-strumente genau abgcglichcn, welches mittels eines sehr genau stellbaren' Hobels geschieht,sodaß alle Buchstaben genau gleiche Höhe erhalten; dann werden sie vollends bestoßen, undin Packete zur Ablieferung gesetzt. Die ganz großenBuchstabcn, wie man sie zu Placatenund Anzeigen braucht, wurden ehemals in Sand geformt und gegossen, weshalb sie noch jetztSandbuchstabcn heißen. Jetzt aber hat man dazu eigends constrnirte Fallwerke, sogenannteClichirmaschinen gebaut, wo das Metall mittels eines darauf fällenden Gewichts in die For-men getrieben wird. Die beste solcher Clichirmaschinen ist die von Pfnorr in Darmstadt.Auch auf dem Wege der Galvanoplastik lassen sich sehr gute Matrizen für die Schriftgießereierzeugen, welche sehr scharfe Lettern geben. Da das Gießen der einzelnen Lettern immernoch sehr zeitraubend war, kam man auf den Gedanken, Maschinen zu bauen, welche diese