Moskau 3
Untersuchungen während des Gusses selbst an Ort und Stelle verunglückte und in die Erdeeingesunken war, und deren Gewicht 400000 russ. Pf. beträgt. Vor einigen Jahrenwurde diese riesige Glocke, die größte in Rußland, mit großer Feierlichkeit aus der Erde em-porgehoben und ruht gegenwärtig auf einemstcinernen Fundament, durch welches eine Pforteführt. Unter den Denkmälern zeichnet sich das eherne Standbild des Bürgers Minin unddes Fürsten Posharsky aus, welches, von dem größten russ. Bildhauer, Marios, ausgeführt,auf dem rothcn Platze dicht vor dem Kreml ausgestellt ist, 480000 Pf. wiegt und aufeinem 280000 Pf. schweren Eranitgestell ruht. Ein anderes minder künstliches Denkmalvor dem Arsenal des Kreml bilden die in symmetrischer Ordnung aufgestellten, im Kriegevon 1812 erbeuteten Kanonen, zusammen 875, nämlich 366 franz., >89 östr., 123preuß., I >0 ital., 34 bair., 22 holl., 12 sächs., 8 span., 5 würtemb-, 4 poln., eine wcstfäl.und eine hannoversche. Die Stadt hat 18 Thore, 56 Wachen, 78 Plätze und Märkte, viergroße Paradeplätze, 57 Brücken, 258 Straßen, 582 Gassen, elf große Bassins, in denendas Wasser aus dem großen künstlichen, mehre Meilen weit hergeleiteten Aquäduct sichsammelt; ferner 567 1 Brunnen, 32 städtische und 270 Privatteiche und große Räumeinnerhalb der Stadt, die aus Acker-, Wiesen - oder Sandstrecken bestehen. Daher kommtes auch, daß M., bei einem Areal, welches den Flächeninhalt Berlins um mehr als dasFünffache übertriffk, doch nur etwa gleichviel Einwohner zählt.
M. wurde t 147 von dem Großfürsten Jurge Dolgorucki von Kiew gegründet, 1280aber durch die Mongolen von Grund aus zerstört. Der Großfürst Daniel Alexändrowlkschbaute es wieder auf, wählte es zu seiner Residenz undinachtrwS^200;„rHaupksiadtdes davonbenannten Großfürstenthums. Gleichzeitig wurde es der Sitz eines Metropoliten. Zwarharrr^anH in-dn^fdlMnden Zeit viele Drangsale zu erdulden, es wurde im 14. Jahrh.von den Lilhauern und Tataren genommen und durch Brand zerstört, 1547 durch einegroße Feuersbrunst heimgesucht und >571 von dem Khan von Astrachan belagert und inBrand gesteckt, in Folge der politischen Wirren zu Anfänge des 17. Jahrh. von den Polenbeseht und sodann angezündet; allein immer erhob cs sich von neuem und zu hvhermGlanze, obschon >753 Peter der Große von hier seine Residenz nach Petersburg verlegte.Doch der härteste Schlag traf es im I. 1812, wo Napoleon, mit dem zahlreichsten Heere,welches Europa seit der Völkerwanderung gesehen, in das Innere des russ. Reichs vordrangund, an der Moskwa (s. d.) vergebens ausgehalten, am >4. und 15. Sept. 1812 in eineöde und verlassene Stadt einrückte. (S. Russisch-deutscher Krieg.) Da^russ. Heerhatte die Stadt verlassen und war auf dem Marsche nach KckkuM; stsi? mcisscn Einwohnerhatten sich mkk H'kM Schätzen geflüchtet; die Vorräthe des Arsenals, die öffentlichen Do-kumente waren in Sicherheit gebracht; die Verhafteten hatte man aus ihren Gefängnissenentlassen und untermilitairischer Obhutnach Nischni Nowgorod geschafft; in der Stadt wa-ren kaum 12000 Menschen; die Hälfte davon bestand aus Gesindel, das zu Mord und Plün-derung geneigt war, die andere Hälfte bildete größtentheils Lazarethkrankc in den Hospi-tälern. Ob jene gewaltige Feuersbrunst, die M. gleich nach dem Einzuge des feindlichenHeers ergriff und, vom 14.—21. Sept. ununterbrochen fortdauernd, der Stadt mehr alsdie Hälfte ihrer Kirchen, Paläste und Häuser kostete, ob sie das Werk des zurückgebliebenenGesindels war, oder ob sie die Feinde verwahrlost hatten, oder ob Nostopschin (s. d.), derGouverneur der Stadt, wirklich als der große Held jener Feuersbrunst zu betrachten sei,ist genugsam besprochen, angenommen und widerlegt worden, und doch stets unentschiedengeblieben. Vgl. Nostopschin, „I^a vsrirö sur l'incenciie <le N." (Par. 1823) und die Ent-gegnung des franz. Augenzeugen Surrugues in den „lwttres sur l'iucenäi? 6« 5l." (Par.1823). Erst am l O.Oct., vier Wochen nach dem Erlöschen des Brandes, rückte Napo-leon aus der verheerten Stadt, doch glich sein Ausmarsch einem Trauerzuge. Mehr als40000 M. hatte er in dieser kaum mehr eine Stadt zu nennenden Wüste eingebüßt. Den Rus-sen hatte diese Zeit 321 Mill. Rubel an Brand- und Kriegsschäden gekostet; vSn 0158Häusern vor dem Brande waren nach demselben nur 2626 übrig; von 8521 Kauf- undKramläden blieben 1368 unversehrt. Jetzt ist auch nicht eine Spur aus Mer Zeit vor-Händen und M. hat sich nur schöner und herrlicher aus Schutt und Asckst erhoben. Vgl.
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