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8 (1846) Kaaba bis Ligne
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644
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644 Lehrfreiheit

«ntrirte und dieser diente, so war es natürlich, daß die Wissenschaft in Abhängigkeit vondem kirchlichen Glauben gerieth und auf den Universitäten, deren Gründung zunächst vonder Kirche ausging, die Lehrfreiheit großen Beschränkungen unterworfen wurde. Nament-lich war es die Philosophie, welche in ihrer Anwendung auf die Theologie öfters Veranlas-sung zu größerer oder geringerer Beschränkung der Lehrfreiheit gab, wie aus dem vorigenJahrhundert Wolf und Fichte, in der neuern und neuesten Zeit Strauß, Bruno Bauerund Bischer beweisen. Seit der franz. Revolution und den durch sie veranlaßt«» politischenBewegungen hat neben der Kirche auch die Politik, und fast noch mehr als jene, Veranlas-sung zur Einschränkung der Lehrfreiheit gegeben, wenn auch Suspensionen wie die vonFries, E.M. Arndt, F. Gottlieb Welcker, Nottcck, Karl Theod. Welcker u.A. nicht hierhergehören, da sie in Folge nicht von Überschreitungen im Lehramte, sondern von außeramlli-chen politischen Bestrebungen eintratcn. Für Universitäten sind Viele geneigt, ein weit grö-ßeres Maß von Lehrfreiheit zu verlangen, als für die Kirche, weil der Wissenschaft Lebens-elemcnt freie Bewegung sei, und durch die Vertretung der Gcgensähe in den theologischenund philosophischen Facultäten der Nachtheil verhindert werde. Diese Ansicht ist bis zueiner gewissen Grenze wahr, hört aber auf, dies zu sein, wenn man über diese hinaus etwaunbedingte Lehrfreiheit auf Universitäten damit bcvorworten will. Die Studirenden sindAnfänger in der Wissenschaft, und es ist nicht Alles geeignet, ihnen vorgetragen zu werden,womit der etwas mehr gereifte Mann sich bekannt machen kann und muß. Wenn auch dieakademischen Vorträge sich nicht immer auf dem schon längst gebahnten Wege halten kön-nen, und die Studirenden durch neue Ansichten verstärkte Anregung und Nahrung für ihrewissenschaftliche Entwickelung erhalten sollen, so muß doch der Universitätslehrer als solchervon dem gelehrten Forscher sich unterscheiden und nicht jeden augenblicklichen Einfall, jedeersonnene Hypothese seinen Zuhörern hingeben, sondern nur Das, was nach wiederholterund umsichtiger Prüfung als wissenschaftliche Wahrheit sich ihm dargestcllt hat. Aber auchselbst hierbei wird der besonnene, mit der studirenden Jugend, wie mit Staat und Kirche eswohlmeinende Lehrer vorsichtig sein und nicht durch selbstgefällige Angeduld sich verleitenlassen, Lehren vorzutragen, welche in ihrer Beziehung auf Staat.und Kirche geeignet seinkönnten, den Geist der Studirenden zu verwirren und öffentliches Ärgerniß zu geben. Weilaber besonders jüngere Universitätslehrer nicht immer wissenschaftliche Besonnenheit undehrendes MiStrauen in die Wahrheit der von ihnen wirklich oder vermeintlich gefundenenneuen Wahrheiten besitzen, so können allerdings Fälle eintrcten, woBeschränkung der Lehr-freiheit auf der Universität im Interesse der studirenden Jugend, wie des Staats und derKirche liegt. Es würde z. B. aller Vernunft widersprechen, wenn man den künftigen Be-amten des Staats Lehren Vorträgen lassen wollte, welche notorisch auf gewaltsamen Um-sturz bestehender Staatsverhältnisse hinzielten, oder den künftigen Predigern Lehren, diedas Christenthum offenkundig von Grund aus zerstören würden. Beschränkung der Lehr-freiheit nöthigenfalls durch Entfernung des betreffenden Lehrers ist hier ebenso eine sittlicheNothwendigkeit, als wenn Jemand seinen Schülern und Zuhörern unmoralische Grund-sätze als Wahrheit vertragen wollte. Durch solche Beschränkung wird auch das Interesse,die freie Entwickelung der Wissenschaft keineswegs gefährdet. Wer sich zur Verbreitungsolcher Lehren in seinem Gewissen verbunden glaubt, benutze die Presse als Mittel dcrVer-öffentlichung, und wenn ihm auch dies nicht gestattet werden sollte, so wähle er jedes andererechtliche Mittel, nur nicht den Jugendunterricht. Dieser hat eine höhere Bedeutung alsdie, Gelegenheit darzubietcn, seine Meinungen und Hypothesen an den Mann zu bringen.

Würde aber nicht durch eine solche Theorie jeder Lehrzwang von vornherein gerecht-fertigt und dem willkürlichen Belieben der Administration Thür und Thor geöffnet?„Undwürde dann nicht öfters der Fall eintreten, daß ein Prediger oder Lehrer gegen seine Über-zeugung lehren müßte? Antworten,)vir auf die letztere Frage zuerst. In gegenwärtigerZeit werden dlose Ansichten oft mit Überzeugungen verwechselt. Jene sind das Erzcugnißdes Augenblicks oder flüchtiger Beobachtung und oberflächlichen Denkens. Zu Überzeugun-gen können sie sich erst erheben durch länger fortgesetzte Erwägung, durch gründliches Stu-dium und durch allseitige Prüfung. Die blose Ansicht hat durchaus kein Recht, im Unter-richte der Jugend oder des Volks ohne Weiteres hervorzutretcn. Aber selbst die Überzeu-