Legouve Legrand d'Aussy 637
Hunderts, viel von dem Princip der Legitimität, als von der Tendenz der europ. Mächte,namentlich der heiligen Allianz, das Recht der Negierungen sowol zur Negierung als in derRegierung gegen alle Usurpation und revolutionairc Gewalt zu schützen, und es ist keinc Frage,daß dieses Princip an sich ein höchst ehrwürdiges sei, und daß seine Anhänger alle Achtungbeanspruchen können. Jndeß auch hier beweist sich das parteimännische Erfassen verderblich.Wir wollen weniger daran erinnern, daß die Legitimisten sich nicht von der Unumstößlichkciteinmal eingetretcncr Thatsachen, von dem Vorhandensein des unvermeidlichen Ausnahme-falles überzeugen wollten, daß sie versäumten, wenigstens der neuen Negierung möglichstbald den Charakter zu sichern, in welchem der Werth desPrincips beruht; wir wollen Dasnicht urgiren, denn es ist dies zuletzt Meinungs- und Gewissenssache. Aber der Parteigeistverrieth sich, sofern die Legitimisten meist gleichfalls einseitig verfuhren und zwar sehreifrig für das Recht der Negierungen, aber sehr lax in Betreff des rechtmäßigen Gebrauchsdesselben waren. Endlich, da die vertriebenen Dynastien meist im Conflicte mit den Frei-heiten ihres Volks fielen und die Opfer der Anhänglichkeit an zeitwidrige Tendenzen wur-den, so ist die Legitimistenpartei wol auch zu einer Vereinigung der Anhänger des Absolu-tismus und der Neaction ausgeartet und das hat der an sich achtbaren Richtung natürlichverdiente MisHunst zugezogen.
Legouve (Gabr. Marie Jean Bapt.), franz. Dichter, Sohn eines verdienten undmit der classischen Literatur bekannten Advocaten, geb. zu Paris am 23. Juni >76^,widmete sich unter günstigen äußern Verhältnissen nach beendigten Studien der Literatur,zeigte aber in seinen ersten Versuchen große Mittelmäßigkeit. Dahin gehören die Essaislle lloux »uns", welche er >786 mitLaya herausgab. Ausdauernder Fleiß entwickele indeßseine beschränkten Anlagen, und mit der Zeit glückte es ihm, den Gegenstand zu finden, derseinen Talenten angemessen war. Jm J. >792 ließ er seine Tragödie mort cl'Vbel" auf-führen, worin erGeßner's Gedichte vielfach benutzt hatte. Sie fand, ungeachtet der heftigenKritik von Laharpe, Beifall, ebenso wie sein im letzten Act nach Shakspeare's „Richard Ul."gearbeiteter „Lpicinrris, ou I» mort cke Nöron" (1793), worin er den Muth hatte, sichAnspielungen aufRobespierre zu erlauben. Mit Übergehung einiger anderer mittelmäßigerTragödien nennen wirsein letztes, hinsichtlich der Anordnung und Ausführung tadellosesStück,,I.» mort cie Henri IV" (1896). Wirkliches Verdienst erwarb sich L. durch einigebeschreibende Gedichte, in denen er zwar den Delille indeß mit Glück nachahmte und feineund zarte Empfindungen schön auszudrücken wußte. Unter seinen Lehrgedichten zeichnetsich besonders „I.e merite <Ies temmes" (Par. 1891 und öft.) aus, welches ihn zum Lieb-ling derFrauen machte. Außer diesem sind zu erwähnen „I.» schmlture", „I.es scmvenirs"und ,,I.» mölicncliolie", welche >798 erschienen. In demselben Jahre wurde L. Mitglieddes Instituts, und einige Jahre vor seinem Tode Suppleant Dclille's als Professor derröm. Dichtkunst am College de France. Während der Jahre 1897 — >9 leitete er dieNedaction des „Nercure cie Vrcmee". Seine letzten Lebensjahre waren sehr traurig, daein unglücklicher Fall eine Eeisteszerrüttung zur Folge hatte. Er starb im Jrrenhause am29. Oct. 1812. Seine „Oeuvres" sammelten Bouilly und CH.Malo (3Bde., Par. 1826).
Legrand (Marc Antoine), franz. Schauspieler und Lustspieldichter, nächst Moliereder größte Meister im humoristischen Volksstil, geb. am 17. Febr. >673, war als Schau-spieler nicht ohne Talent, doch von so häßlicher Gestalt, daß er wiederholt ansgezischt wurde,wobei er sich jedoch durch Bonmots zu helfen wußte. Er schrieb mehre Lustspiele, die zu ihrerZeit viel Aufsehen erregten und unter dem Titel „Vböätre 6el.."(4 Bde., Par. 17 3 > und oft.)gesammelterschienen. Drei derselben, „I^'sveiiAle cl»irvo)»nt", „I.e A»I»nt conrenr" unddie meisterhafte phantastische Posse „l.e roi cie Oocagne", haben sich auf dem Repertoireerhalten. Er führte ein sehr leichtes Leben und starb in Paris > 728.
Legrand d'Aussy (Pierre Jean Bapt.), ein sehr geachteter franz. Literator, geb. zuAmiens 1737, lebte seit der Aufhebung des Jesuitenordens, dem er angehörte, zu Paris ingroßer Zurückgezogenheit und beschäftigte sich mit der Geschichte des franz. Mittelalters.In der Zeit der Revolution wurde er Mitglied des Instituts und 1795 Conservateur derHandschriften an der Nationalbibliothek. Er starb am 5. Dec. >899. Sein Haupt-werk ist die Sammlung „kMisuL ou coutes ctes 12ieme et I3iema rieeles, tracluits et