Druckschrift 
8 (1846) Kaaba bis Ligne
Entstehung
Seite
494
Einzelbild herunterladen
 

494

Laharpe (Zean Frans, de)

Ausbruch der franz.Revolution wirkte so mächtig auf ihn, daß er unter Andern» eine Bitt-schrift im Rainen seiner Mitbürger verfaßte und an die Negierung zu Bern gelangen ließ,in welcher er mancherlei Reformen und die Zusammcnberufung der Stande beantragte.Dieser Schritt beschleunigte den Ausbruch der Unruhen. Man setzte L. unter die Zahl derGeächteten, und seine Feinde brachten cs in Petersburg bei der Verlobung Alexander's da-hin, daß er entfernt wurde. L. ging nun nach Genf und von da, als er erfuhr, daß er beider Rückkehr ins Waadtland verhaftet werden solle, nach Paris, wo er der Negierung eineDenkschrift überreichte. Dieser Schritt hatte zwar zur Folge, daß Bern den Waadtlän-dcrn auf Verwenden Frankreichs Amnestie gewährte, doch blieben die schuldigen Schrift-sieller, mithin auch L. davon ausgeschlossen. L. ließ nun mehre Flugschriften gegen dasberner Patrizierthum erscheinen; auch reichte er >797 dem franz. Direktorium eine Bitt-schrist ein, in welcher 22 Emigranten von Waadt und Frciburg die Ausübung der > 565durch den Vertrag von Lausanne festgestcllten Gewährleistung von Frankreich begehrten.Das Direktorium benutzte die Gelegenheit sehr gern, sich in die Angelegenheiten derSchweiz zu mischen. Unter Saint-Cyr rückte ein franz. Corps im Dec. 1797 zur Be-schützung des Waadtlandes ein, das sich sogleich in eine lemanische Republik umwandelte.Die Umwälzung der ganzen Schweiz (s.d.) und die Gründung der helvetischen Republikknüpften sich an diesen Gewaltstreich. L., der diese Revolution gewaltig unterstützt hatte,trat nach zwei Monaten in das helvetische Dircctorium und hielt unter großen Schwierig-keiten und mit Hartnäckigkeit die Politik der franz. Revolution aufrecht, bis ein Beschlußder Gesetzgebenden Räche dieses Dircctorium auflöste. Von Lausanne aus, wo inan ihnunter Aufsicht stellte, bereitete sich nun L. zur Übersiedelung nach Frankreich vor. Alleindie Negierung von Bern benutzte das Gerücht von einem Attentat gegen den General Bo-naparte, das L. entdeckt haben wollte, und ließ ihn am 2. Juli 1809 gefangen nehmen.Über diese Behandlung empört, entfloh L. nach Frankreich, wo ihm indcß der erste Consul,der mit den schweizer. Angelegenheiten überhaupt sehr unzufrieden war, nicht aufs Besteempfing. Hierauf lebte er auf seinem Landhause Plessis-Piquet bei Paris, bis er >891eine Reise nach Rußland machte, wo ihm der Kaiser Alexander viele Achtung bewies. Beider Anwesenheit desselben in Paris im I. 1814 erhielt er sogar die Würde eines russ. Ge-nerals. Nach dem wiener Congressc, auf dein er für die Unabhängigkeit der CantoneWaadt und Aargau sehr thätig war, lebte er als Privatmann in seinem Vatcrlande ingroßer Achtung. Er starb am 39. März 1838. Die heftigen Angriffe in Seigneux's „kre-cis «le lit rövolntiou tili cauton ele Vauck" (2 Bde., Lausanne 1831) bewogen ihn zur Her-ausgabe der „Oonsieieratiniis sur le Urecis etc." (Lausanne 1832).

Laharpe (Jean Franc, de), ein mittelmäßiger Dichter und einseitiger Kritiker, aberelegant correcter Stilist, geb. in Paris am 29. Nov. 1739 von unbekannten Altern, dieihn aussetzten, besuchte das College Harcourt, wo er eine Freistelle erhalten hatte. Als an-geblicher Verfasser eines Spottgedichts auf den Director der Anstalt, kam er in seinem >9.Jahre auf einige Monate nach Dicetre. Die literarische Laufbahn betrat er mit einemdidaktischen Gedichte »über die Langeweile (1757), dem eine Sammlung Heroiden folgte.Da Fre'ron ihn scharf kritisirtc, so begab er sich unter den »nächtigen Schutz Voltaire's.Von dcrgroßenZahl seiner Theaterstücke hat sich nur dieTragödie „Wur^vick" (1763) aufdem Theater erhalten; außerdem ist noch sein Drama , Melanie" (1779) zu erwähnen.Er concurrirte mit Erfolg mehre Jahre um akademische Preise und seine „Lloges" wurdenmit wenigen Ausnahmen gekrönt. Im I. >778 wurde er in die Akademie aufgenom-men und 1788 Professor der Literatur an dem neugcstiftcten Dxcee. Als die Revolutionansbrach, schloß ersieh ihr mit Exaltation an, sodaß selbst Jakobiner der Ansicht waren,daß er in seinem Enthusiasmus zu weit gehe. Er hielt seine Vorträge mit der rothenMühe auf dem Kopfe und eröffncte in Folge des Manifestes des Herzogs von Braun-schweig seine Vorlesung am 3. Sept. 1792 mit einem Gedicht, das die Alurseillaise zwarnicht an poetischem Gehalt, wol aber an Blutgier weit übertraf. In Folge einer Spötteleiüber Nobcspierre als Redner, wurde er verhaftet, fünf Monate in» Luxembourg gefangengehalten und hier zuin devoten Katholiken und erbitterten Feinde derNevolution. Mit einerin der That bcwundernswcrthcn Keckheit griff er das Direktorium, sowie die Consularre-