Körner (Theodor) 347
!>.n Briefwechsel, und wußte, von einer trefflichen Gattin unterstützt, an seine nächsten Um-gedungen den Geist der Kunst und Wissenschaft zu fesseln. Sein Haus war Jahre langemVereinigungspunkt siir höher gebildete Einheimische und Fremde. Auf seinem in der Nähevon Dresden höchst anmuthig gelegenen Weinberge schrieb Schiller seinen „Don Carlos".Mit Freimüthigkeit erklärte er sich 1813sür die Sache Deutschlands und gab seinem Sohneunbedenklich seine Einwilligung zmn Eintritte in die Reihen der freiwilligen Krieger. Un-ter dem russ. Gouvernement wurde er Gouvernementsrath; bei der Auflösung dieser Be-hörde folgte er 1815 einem Rufe in preuß. Dienste, nachdem erlisch zu Dresden auch seineeinzige Tochter durch den Tod verloren hatte. Als Staatsrath, später als Geh. Oberregie-rungsrath im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten thä-kig, wußte er sich auch in seinem neuen Vaterlande Vertrauen und Achtung, sowie alsMensch die Liebe und Verehrung aller ihm Nahestehenden zu erwerben. Er starb zu Berlinam 1 :r. Mai > 831 und wurde, wie er gewünscht hatte, neben seinen Kindern bei Wöbbelinzur Ruhe bestattet. Seine Theilnahme an dem Entwickelungsgange der neuern deutschenLiteratur und die Vielseitigkeit seinerBildung beweisen nicht blos die dem Publicum vorlie-genden brieflichen Zeugnisse Goethe's und Schiller'-, als dessen Freund er von 1812 — 1ödie Herausgabe der Werke desselben besorgte, sondern auch einzelne wertvolle schriftstelle-rische Leistungen in den Fächern der Staatswissenschaft und der Ästhetik.
Körner (Theodor), der Sohn des Vorerwähnten, geb. in Dresden am 23. Skpt.1791, erhielt durch treffliche Lehrer eine sehr sorgfältige Erziehung, während zugleich derVater selbst und der gesellige Geist des älterlichen Hauses und die Verehrung, mit der dieFamilie an Schiller hing, vom belebendsten Einfluß auf die Ausbildung seiner Talente wa-ren. Frühe Versuche schienen über seine Anlage zur Dichtkunst keinen Zweifel übrig zulassen. Nachdem er zwei Jahre lang, um Mineralogie zu siudiren, die Bergakademie zuFreiberg besucht hatte, bezog er >810, kurz nach Erscheinung der ersten Sammlung seinerdichterischen, meist noch sehr unreifen Versuche unter dem Titel „Knospen", die Universitätzu Leipzig. Da er aber einem sehr unbestimmten Dichterideal und einem ziemlich wüstenBegriff von Genialität nachjagte, entschlug er sich jedem liefern und gründlichem Stu-dium und ließ sich durch seine akademischen Verbindungen zu Verirrungen Hinreißen,welche ihn die Universität zu verlassen nöthigten. Nach kurzem Aufenthalt in Berlin ginger nach Wien und lenkte hier durch mehre dramatische Erzeugnisse, welche er schnell hinter-einander auf die Bühne brachte, die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Einige derselbenempfehlen sich als artige Kleinigkeiten, wie „Der grüne Domino", „Die Braut" und„Der Nachtwächter"; doch können sie nicht als wesentliche Bereicherungen des deutschenLustspiels gelten. ^Seine Dramen ernstem Charakters, wie „Toni" und „Hedwig", be-kunden den ziemlich gewandten Bühnenpraktiker und Verfificator, machen jedoch auf Ori-ginalität und Tiefe der Auffassung keinen Anspruch und offenbaren besonders einen Man-gel an Menschenkenntniß, für welchen man nur in der Jugend des inzwischen zum kai-serlichen Theaterdichter ernannten Verfassers eine Entschuldigung finden kann. Seinebeiden größern Trauerspiele „Zriny" und „Nosamu»de" wurzeln ganz in dem Jamben-pathoS Schiller's, ziehen aber durch eine gewisse Beweglichkeit der Handlung, durch Rein-heit und Lyrik des Gefühls und durch den darin sich deutlich kund gebenden jugendlichenEnthusiasmus für alles Gute und Edle an. Namentlich war in jener Zeit des Drucks undder geheim gährcnden Volkskraft das Trauerspiel „Zriny" mit seiner Darstellung echtenHcldenmuths von leicht erklärlicher mächtiger Wirkung. Seine dramatische Muse standjedoch durch die Leicktigkcit des ProdncirenS, zu der er sich verführen ließ, in offenbarerGefahr, allen Kern und Halt einzubüßen; da erhob sich die deutsche Nation gegen ihre Un-terdrücker. Der für deutsche Freiheit und Größe begeisterte K., welcher schon früher inschönen Liedern die Schmach und Unterdrückung des gemeinsamen Vaterlands beklag'hatte, zog als einer der Muthigsten unter de» Muthigen mit in den Krieg und fand jetzterst den wahren Sinn der Poesie, welche die ernste Zeit verlangte. Die unter dem Titel„Leier und Schwert" und durch die Weber'schen Melodien populair gewordenen patrioti-schen Lieder, welche er nun dichtete und durch die er mächtig auf den kriegerischen Sinn derDeutschen wirkte, sind nicht nur das Beste unter K.'S lyrischen Dichtungen, sondern gehö«