Delaiores 127
Zahrc trat cr in das Atelier des berühmten Malers Baron Gros. Ec hatte sich in dieser Zeit mitVorlicbedemFachc der Landschaft zugewandt und bewarb sich um den landschaftlichen Preis,den er jedoch nicht erlangte. Er war damals, sei cs aus Blödigkeit oder aus Entmuthigung,an sich selbst irre geworden; er zweifelte an seinem Talente und dachte schon, sich dem Kanz-lciwesen zu widmen. Nur mit Widerwillen verfolgte cr die eingcschlagene Bahn. Indessollte cr bald, nachdem cr das Fach der Landschaft ganz verlassen und in der Historienmalereiseinen eigentlichen Beruf erkannt hatte, zu glänzenden Erfolgen gelangen. Das'erste bedeu-tende Bild, mit welchem er aufkrat, war die Darstellung des Joas, der als Kind von derJosabath dem Tode entrissen wird ( 1822 ). Dieses Bild, von großer dramatischer Wirkung,ließ bereits deutlich die individualisirende Richtung des Künstlers, die aber noch im Kampfmit den Grundsätzen der altern Schule stand, erkennen. Später wendete cr sich vorzugs-weise der Darstellung nationalhistorischer Semen, namentlich aus der franz. und engl. Ge-schichte, und zwar solchen Semen zu, in denen Stimmungen, Gefühle und Ansichten derbewegten Gegenwart ihren Ausdruck sinken. D. wußte in diesen Bildern die feinste psycho-logische Charakteristik mit der glücklichsten und kräftigsten Realität, der frischesten Objekti-vität zu verbinden; er hat sich hierbei des Elements der Farbe und des Helldunkels, über-haupt Dessen, was den Maler eigentlich in seiner technischen Größe zeigt, in einem Gradebemächtigt, daß er den Besten, die sich in solcher Weise vor Zeiten ausgezeichnet, nicht garfern steht; seine Bilder haben die ansprechendste und wirksamste Wärme des Lebens. Soist D., gleich vorzüglich in der Ausfassung wie in der Darstellung, als einer der größtenMeister zu nennen, die seither überhaupt nationalhistorische Momente zu Gegenständen derkünstlerischen Darstellung erwählt haben. Dm Übergang zu dieser Richtung machten seineJcannc d'Arc, sein Tod des Annibale Caracci, sein heil. Vincenz von Paula, vor dem HofeLndwig's XIII predigend. Höchst vollendet erschienen sodann die beiden kleinen hgurenreichenBilder des Cardinals Richelieu, der, dem Tode nahe, zwei blühende Jünglinge, Cina-Macsund de Thon, zum Tode führt, und des Cardinals Mazarin, der, ebenfalls schon dem Todeverfallen, noch von dem luftigen Geflirre und Geflüster seiner Hofschranzen umgeben ist.Ähnliches Verdienst zeigen die beiden großen Bilder der Söhne Eduard's im Kerker und desCromwell, der die Leiche König Karl's I. betrachtet. Dann gehören hierher noch die Er-mordung des Herzogs von Euise, eine Scene der Bartholomäusnacht und der Tod der Kö-nigin Elisabeth von England. Für die gediegensten Meisterwerke dieser Richtung desKünstlers gelten jedoch der Tod der Jane Gray und des Lords Strassord, der auf dem Gangezu seiner Hinrichtung den Segen des Erzbischofs Land empfängt. Im I. 1833 erhielt D.den Auftrag, die Kirche der heil. Magdalena zu Paris mit einer Reihe großer Frescogcmäldeaus der Legende dieser Heiligen zu schmücken. Er begab sich nach Italien, um von denFresken der alten Meister Studien für die Auffassung und Behandlung des Stils der reli-giösen Malerei zu machen. Die Ausführung jener Fresken zerschlug sich, aber die Studien,welche D. in Italien gemacht hatte, blieben nichtsdestoweniger von größtem Einfluß aufsein künstlerisches Streben. Er suchte sich von der Idealität jener alten Meister, besondersdes Fiesole, einen Thcil zu eigen zu machen und die Einfalt und Strenge ihrer Richtungmit den Erfahrungen einer gereiftem Kunst zu verschmelzen; in wie merkwürdigem Gradeer dies möglich machte, bezeugte er durch mehre neuere Leistungen, die von seinen frühemArbeiten beträchtlich verschieden sind, aber noch vielmehr von der affectirten und äußerlichenWeise, in welcher einige andere Franzose» der Gegenwart die Religiosität der alten Italienerzu copiren-suchcn. Als Bilder der Art sind namentlich seine Darstellungen der heil. Ama-lia, Königin von Ungarn, und der heil. Cäcilia^u nennen. Die Mehrzahl von D.'k Werkenist durch die vorzüglichsten Kupferstecher Frankreichs gestochen und in dieser Weise allgemeinverbreitet. D. ist mit einer Tochter des berühmten Malers Horace Vernet verheirathet undseit 1832 Mitglied des Instituts.
Delatöres hießen in der röm. Kaiserzeit !M Gegensatz zu den eigentlichen Accusa-tores diejenigen Ankläger, die aus unlauter« Absichten, namentlich um ihres Privatvor-theils willen auftraten, sowie Diejenigen, welche falsche Beschuldigungen verbrachten, oderüberhaupt aus der Erhebung von Anklagen ein förmliches Gewerbe machten. Von dentyrannischen Kaisern, namentlich auch der frühem Zeit, Mrden die Delatores begünstigt;