Druckschrift 
3 (1845) Buchholz bis Czongrad
Entstehung
Seite
207
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Carmagnole Carmichael 207

Handlung und die Poesie der Sprache sich wie ein Epos darstellt. Er lebt jetzt z.iChelsea beiLondon. Als Kritiker steht er einzig unter den lebenden engl. Literaten.

Carmagnole hieß in der franz. Revolution ein sehr verrufenes Volkslied, das untereinem eigenthümlichen Lanze gesungen wurde und seit l 792 alle Ausbrüche des politischenFanatismus begleitete. Das Lied und der Tan; kamen zuerst im südlichen Frankreich aufund sollen ihren Namen von den Savoyardenknaben herleiten, die so genannt wurden, weilsie zum großen Thcil aus der picmontes. Stadt Carmagnola herstammten, ,Mscl-»ns Veto«echt ;>ro,nis" fing das Lied an, und jeder Vers schloß mit dem Refrain: „vsnsons In 6»r-innF»»Ie — vive le scin — <I,I crm»»!" Bald bemächtigte sich auch die Mtzde des Wortsund bezcichnete mit Carmagnole eine weite Jacke mit Ärmeln, welche die Revolutions-männer trugen und ein Jeder tragen mußte, der seinen Patriotismus zeigen wollte. End-lich bezcichnete man auch die Berichte, welche der Convent im Namen des Wohlfahrtsaus-schusses an die mit dem Volke besetzte Tribüne über die Siege der franz. Waffen machte,mit dem Namen Carmagnole, weil sie gewöhnlich in sehr fanatischen Phrasen erstattet wur-den. Mit der Schreckensherrschaft verschwanden Lied und Kleidung, an die sich so viel blu-tige Clinncrungen aus der franz. Revolution knüpfen.

Carmenta oder Carmentis war eine römische und, wie der Name, der von csrinenherzuleiten, schon andeutet, weissagende Göttin, welche am Fuß deS Capitolinischen Bergseinen Tempel und am CarmcntalischenThorc Altäre hatte. Ihr Fest, Oarmentajia genannt,wobei nur Frauen zu thun hatten, wurde am l>. und I ',. Jan. gefeiert, und sie dabei alsl'astvorta und Lntevortil angcrufcn, Namen, welche auf ihre Sehergabe bezogen werdenmüssen. Sie wurde mit Fannus in Verbindung gesetzt, weil dieser aus Arkadien herstam-mcn sollte, zur Mutter des Arkadiers Evandcr gemacht und somit ihr Dienst ebendaherhergeleitet. Aber jedenfalls ist sie eine ursprünglich italische Gottheit, welche mit den 6u-,nenne zusammenfällt.

Carmer (Joh. Heinr. Kasimir, Grafvon), ein um die preuß. Rcchtsverfassung höchsteerdienterMann, geb. am 29. Dcc. >721 in der damals kurpfälz.Oberamtsstadt Kreuznach,trat aus dem Pfalz. 1779 in den preuß. Staatsdienst. Schon >779 wurde er Regicrungs-rath in Oppeln, >771 Direktor und >797 Präsident der Negierung zu Breslau, 1798Justizminister und Chefpräsidcnt sämmtlicher Regierungen in Schlesien. Im I. > 779 beriefihn der König an die Stelle des Freiherr» von Fürst zum Großkanzlcr und Olief <!e stlstic«und übertrug ihm die Reform des Justizwesens, nachdem die vom früher» Großkanzler vonCocceji ausgegangenen Verbesserungen sich mehrseits mangelhaft gezeigt halten. Thäkigkeit,Festigkeit und Umsicht in den Geschäften und ein hoher Gerechtigkeitssinn bezeichnten seineAmtsverwaltung. Ihm dankt Preußen unter vielen andern nützlichen Veranstaltungenbesonders die Einrichtungen der ritterschaftlichen Kreditsysteme, die Vorbereitung des Allge-meinen Landrechts (s. d.), vor allem aber die Verbesserung der Gerichtsverfassung in ihremganzen Umfange und des Civilvrocesses. Im I. 1798 zog er sich aus dem öffentlichen Lebenauf sein Gut Nützen bei Glogau zurück. Von König Friedrich Wilhelm II. in den Grafcn-stand erhoben, starb er am 27. Mai 1891.

Carmichael (Richard), ein ausgezeichneter Wundarzt, gegenwärtig Lehrer am ttidi-m-»i>l sur^l,«! l>i>!i>»it!,I und Präsident des irländ. Collegiums der Wundärzte zu Dublin,hat sich besonders die dyskrasischcn Krankheiten zum Gegenstand seines Forschens gemachtund das Resultat desselben in mehren Schriften niedergelegt; so über den Krebs (Dubl-1899 und 1899) und über Skrofeln (Lond. 1819; deutsch von Choulam, Lpz. 1818). Vor-zugsweisc ist es aber das Studium der Lustscuche, welches er durch Schriften zu fördernsuchte, indem er das Vorhandensein einer Menge ähnlicher, aber von der eigentlichen Sy-philis verschiedener Affectionen nachwics, welche er mit dem Namen venerische Krankheitbelegte, und auf den Misbrauch bes Quecksilbers gegen die Lustseuche aufmerksam machte.Die dahin einschlagenden Schriften sind „Ln ess-,) o» tb- venoreni «lisensez >vlncb Kuvobeen canlo»ncl«>I rvitli s)j>l>ili«" (2 Bde., Dubl. 1817 — 15; 2. Allst!., 1827), „Ln essnv >»,veneres»! «iiresse.- ontl tlie use oncl abilse ok nierein) in tlreir trentinent" (2 Bde., Lond,1817; 2. Aust., 1825), „Observation? on tke s)iu;>toios ai»I ssteclüc llistinctionz ok