738 Brutus (Marcus Junius)
und zogen mehre Jünglinge in dieselbe, unter denen sich auch die beiden Söhne des B. »ndseine und des Collatinus Neffen befanden. Aber ein Sklave, Namens Binder, entdeckte dasUnternehmen. Nachdem man die Schuldigen gefangen genommen, ließen die Cvnsuln aufden folgenden Morgen das Volk zu den Comiticn berufen. B- verurthcilte seine Söhne alsVater zum Tode und befahl den Lictoren, an ihnen das Gesetz zu vollziehen. Weder dieBitten des Volks noch seiner Söhne änderten seinen Entschluß. Er wohnte dem schrecklichenSchauspiele mit Standhaftigkeit bei, und erst nach der Hinrichtung verließ er die Versamm-lung, in die er jedoch zurückgcrufen ward, da Collatinus seine schuldigen Vettern zu rettenwünschte. Das Volk verurthcilte Alle und wählte an die Stelle des nun ebenfalls verbann-ten Collatinus den Valerius zum Konsul. Jndeß hatte Tarquinius, von Porsenna unter-stützt, ein Heer versammelt und rückte gegen Rom an. B. führte die Reiterei dem Feindeentgegen, ihm gegenüber befehligte Aruns, des Tarquinius Sohn. Während des Gefechtsstießen beide Führer aufeinander und durchbohrten sich zu gleicher Zeit mit ihren Spießen509 v. Chr.; allein der Sieg entschied sich für die Römer. Prachtvoll ward B. bestattet;die Römerinnen trauerten um ihn, als den Rächer der Ehre ihres Geschlechts, ein ganzes Jahr,und die Republik setzte auf dem Capitol sein Bild von Erz, mit gezogenem Schwert in derMitte der sieben Könige. Manches in dieser Erzählung von B- gehört, wie Nicbuhr gezeigthat, der Sage an, namentlich ist dies mit seinem vorgegebenen Blödsinn der Fall, der mitdem Amte eines Anführers der Ritter (tribunu!? celerum) unvereinbar ist, das er unterdem letzten Tarquinius bekleidete.
Brutus (Marcus Junius), der Erbe der Gesinnung des altern B., aus einem an-gesehenen plebejischen Gcschlechte, das zuerst im 5. Jahrh. v. Chr. in der röm. Geschichte er-scheint, geb. 85 v. Chr., war ein Sohn des M. Junius B. und der Stiefschwester Catodes Uticensers, Servilia. Die Erzählung, daß Julius Cäsar ihn mit dieser im Ehebruchgezeugt habe, ist ohne Grund; Cäsar war nur 15 Jahre älter als B., und sein Liebesocr-hältniß zu Servilia fällt erst in hie Zeit der zweiten Ehe derselben mit Junius Silanus.B. war anfangs ein Feind des Pompejus, der seinen Vater im cisalpinischcn Gallien ge-tödtet hatte, vergaß aber dann seinen Privathaß und söhnte sich mit Pompejus aus, als sichderselbe zum Vertheidigcr der Sache der Optimalen aufwarf. Er nahm jedoch die ihm angc-tragene Bcfehlshaberstelle nicht an und ergab sich nach der unglücklichen Schlacht bei Phar-salus -18 v. Chr. dem Casar, der ihn freundlich aufnahm und ihm im I. -16 die Verwaltungdes cisalpinischcn Galliens, im 1.14 die städtische Prätnr übertrug, nach deren Verwaltunger Makedonien als Provinz erhalten sollte. Dennoch ward B. ein Haupt der Verschwörunggegen Cäsar, da er die zärtlichen Bande dem Wohle des Vaterlandes opfern zu müssenglaubte. Cassius, von Haß gegen Cäsar und von Liebe zur Freiheit angetrieben, suchte an-fangs durch schriftliche Auffoderungen, dann durch seine Gemahlin Junia, des B. Schwe-ster, denselben zu gewinnen, und als er ihn hinreichend vorbereitet glaubte, erklärte er ihmmündlich den Plan einer Verschwörung gegen den nach der Alleinherrschaft strebenden Cä-sar. B. ging darauf ein, bewog durch sein Ansehen viele der vornehmsten Römer zum Bei-tritt, und Cäsar ward im Senat ermordet. Obschon er öffentlich dem Volke die Gründe dieserThat darlegte, so konnte er doch das Mißvergnügen desselben nicht besiegen, weshalb er sichmit seiner Partei auf das Capitol begab. Neue Hoffnung faßte er, als der Consul P. CorneliusDolabella und der Prätor L. Cornelius Cinna, Cäsar's Schwager, sich für ihn erklärten. DochAntonius söhnte sich nur zum Schein mit ihm aus und wußte durch daß Vorlescn des Te-staments Cäsar's das Volk zur Wuth und Rache gegen die Mörder desselben zu reizen. Ei>'allgemeiner Aufstand zwang die Verschworenen, aus Rom zu flüchten. B. ging nach Athenund suchte unter dem dort sich aufhaltenden röm. Adel eine Partei zu bilden; auch gewanner die Truppen in Macedonien. Jetzt fing er an, öffentlich zu werben, was ihm um so leich-ter ward, da noch viele Pompejanische Soldaten seit der Niederlage ihres Feldherrn in Thes-salien lebten. Hortensius, der bisherige Statthalter in Macedonien, trat ihm bei, und sostand B., als Meister von ganz Griechenland und Macedonien, in kurzem an der Spitze einesmächtigen Heers, mit dem er über C. Antonius, den Bruder des Triumvir, 13 v. Chr.siegte. Dann ging er nach Asien, wo er sich mit dem siegreichen Cassius vereinigte. In Rom