738 Brüten
Ei, wovon die Entwickelung desselben zu einem selbständigen Organismus abhängt. (S. Zeu-gung.) Brütung erfährt sonach auch das Samenkorn in der Erde bis zu jener Zeit, woder Keim die Umhüllungen durchbricht, und für Brütung wird auch die Schwangerschaftder höher», nicht «erlegenden Thiere zu halten sein. Die Arten der Brütung sind aberebenso mannichfach als die Abstufungen der Organismen selbst. Je niedriger oder unvoll-kommener ein solcher, um so weniger wird er vermögen, durch eigeneinnere Thätigkeit seinEi völlig zu zeitigen. Ohne auf fernliegende und weniger verständliche Beispiele einzugehen,erinnern wir allein an die «erlegenden Wirbelthiere. Der Fisch, die Amphibien überlassenihre Eier der Natur, aber der Vogel setzt sich auf sie und theilt ihnen die eigene Körperwärmemit. Es wird sonach die Brütung eine alementarische oder eine organische sein, jene in demFalle, wo die von der Mutter verlassenen oder höchstens an eine angemessene Stelle (Brüte-stelle) gebrachten Eier nur durch die Einwirkung von Wärme, gleichviel ob die des Wassersoder der Atmosphäre, gezeitigt werden, diese, wo die Wärme aus dem Mutterkörper unmit-telbar übertragen wird, also auch nach der Geburt die Verbindung des Erzeugten mit demZeugenden nicht aufhört, sondern mehr oder weniger die Fürsorge des letztem für das erste«und als Schlußact die Erziehung sich bemerkbar macht. Die organische Brütung ist endlichwieder doppelter Art, entweder eine innere, von der wir oben sprachen, oder eine äußere, diemit Wärmeentwickelung verbunden, bisher nur bei Vögeln, 1841 aber auch bei einer Schlange(k^lkon) in Paris beobachtet wurde, und ohne Wärmcentwickelung bei Spinnen, Krebsen,gewissen Fischen u. s. w. vorkömmt, welche ihre Eier am Körper angeheftet mit sich herum-tragen. Die Brütung ist bei Vögeln stets mit wichtigen Veränderungen des Organismusverbunden; es entstehen Kongestionen nach dem Unterleibe und daher erhöhte Temperaturdesselben, zugleich fallen entweder die Federn, welche die schnelle Übertragung der Wärmehindern würden, dort an symmetrisch gestellten Orten (Brüteflecken) aus, besonders beiden dichtgefiederten Schwimmvögeln, oder der Vogel zieht sie selbst aus und verwendetsie zur Ausfütterung des Nestes. Zugleich entwickelt sich ein so heftiger Affect, daß dasWeibchen nur auf das Brüten bedacht, Nahrung zu nehmen versäumt, darüber abmagert oderauch den Eiern freiwillig in die Gefangenschaft folgt. Als Ausdruck dieser Steigerung oderVeränderung ist es auch anzusehen, daß viele Arten Vögel während des Brütens einen hohenGrad Muth entwickeln, der sich bei schwächer« passiv zeigt, indem sie bei der Annäherungvon Menschen ruhig aufden Eiern sitzen bleiben, andere aberzur entschlossensten Vertheidigungbefähigt, obgleich sie eigentlich zu den Furchtsamem und Schwächer» gehören mögen. Diebei diesem Hergange vorzugsweise einwirkende Kraft ist die Wärme des mütterlichen Körpers.Sie ist darum nicht mit Schärfe in Graden der thermometrifchen Scala anzugeben, weil siesich keineswegs zu allen Zeiten gleich, nicht bei allen Vögelfamilien dieselbe ist, und außer-dem der Justin« den brütenden Vogel dahin leitet, daß er die hohe Temperatur vermindertdurch eigene Entfernung auf kurze Zeit, durch Umwenden der Eier, das Wegschieben dermittelsten nach dem Rande des Nestes u.s.w. Im Allgemeinen beträgt sie zwischen 2 S°—33°R., ist in der ersten Periode des Brütens niedriger oder doch nicht nothwendig so hoch wiespäter, durchschnittlich aber höher bei den entwickeltem Familien, z. B. Raubvögeln, Sing-vögeln, als bei den weniger sensibeln, den Waffervögeln. Es ist übrigens dafür gesorgt,daß der brütende Vogel, wenigstens im Anfänge dieses Geschäfts, die Eier einige Zeit ver-lassen kann, ohne daß diese hierdurch leiden. Einmal ist Eiweiß an sich ein schlechter Wärme-leiter und außerdem sind solche Eier, welche vermöge des einfachen Nestbaus oder der Nähevon erkältenden Medien (z. B. die Eier vieler am Wasser brütenden Schwimmvögel) leidenkönnten, mit starken Schalen versehen. Unter den Vorrichtungen eigenthümlicher Art, umdas Brüten zu erleichtern, ist eine der merkwürdigsten die des Flamingo, der durch seine langenBeine am Hinsihen gehindert, aus Lehm einen Kegel aufführt, dessen flach ausgehöhlte Spitzedie Eier enthält, und der gerade hoch genug ist, um bis an den Baüch des beim Brüten gleich-sam reitenden Vogels hinaufzureichen. Nicht bei allen Vögeln versieht das Weibchen alleinbas Geschäft; bei monogamischen nimmt das Männchen insofern Antheil, als es das Nestbeschützt und dem Weibchen Futter zuträgt, oder es setzt sich abwechselnd auf die Eier, wiebei Tauben, Sperlingen, Meisen; polygynische Männchen sind aber eherihrer Nachkommen-schaft feindlich und suchen die Eier zu zertreten, was dann das Weibchen, z.B. die Truthenne,