Brüssel 733
d'Anver-. Unter den elf katholischen Kirchen und Kapellen ist die größte und schönste diePfarrkirche St.-Michael und St.-Gudula, mit zwei nicht ganz vollendeten Thürmen, zehnan 50 F. hohen Fenstern voll von herrlichen Glasmalereien und den Grabstätten mehrer östr.Erzherzoge; andere Pfarrkirchen sind Notre Dame de la Chapelle, die Katharinenkirche undNotre Dame de Finisterre mit schönem Portal; außerdem gibt es eine reformirte Kirche,eine protestantische Hofkapelle und eine Synagoge. Merkwürdige und sehenswerthe Ge-bäude sind der 1817 erbaute und 1821 durch Brand beschädigte, aber mit einem Aufwandvon -1 Mill. holl. Gulden wiederhergestrllte königliche Palast und der Palast des Prinzenvon Oranien; ferner das schöne im gothischen Stil von 1380—1442 erbaute Stadthausauf der Place grande, mit einem 364 F. hohen pyramidenförmigen Thurme, der über dieganze Stadt emporragt und auf seiner Spitze als Wetterfahne die 17 F. hohe vergoldeteBildsäule des Erzengels Michael trägt; dann das Broodhuis, ein Gerichtshof, in welchemdie Grafen Egmont und Hoorn als Gefangene saßen, um bald nachher vor dem Rathhausehingerichtet zu werden; der Justizpalast, das große Hospital, das Münzgebäude, das Weg-amt (Littrepot), das ehemalige Königshaus, das Concerthaus, das Post- und Zollgebäude,die Bank und die Sternwarte, eine der schönsten in Europa; das Verpflegungshaus fürGreise, die Getreidehalle, das Leihhaus, das neue Prachtgebäude zur Aufstellung derKunst-und Manufacturerzeugnisse und der vormalige Palast des Generalgouverneurs, der jetzt derBibliothek und dem Museum eingeräumt ist; die Deputirtenkammer und die Paläste desHerzogs von Aremberg, der Fürsten von Taxis und von Ligne mit schönen Kunstsamm-lungen. Die Stadt ist Sitz der höchsten Behörden des Königreichs, der Ministerien und desHofstaats des Königs, der Generalpostdirection, eines Handelsgerichts, einer Oberrechen-kammer, mehrer Friedensgerichte u. s. wi Sie besitzt seit 1833 eine Universität, ferner einGymnasium, eine Akademie der Wissenschaften, eine Akademie und Schule für Bildhauer-,Maler- und Baukunst, ein Museum, eine Gemäldegalerie, eine Bibliothek mit I0000VBänden, ein physikalisches und ein Naturaliencabinct und einen botanischen Garten. Au-ßerdem befinden sich hier eine Musikalische Gesellschaft, eine Sing- und Musikschule, einConservatorium der mechanischen Künste und Gewerbe, eine Medicinische und eine Natur-forschende Gesellschaft, eine Gesellschaft zur Aufmunterung der schönen Künste, eine Bota-nische Gesellschaft, die Gesellschaft Concordia zur Beförderung der Nationallitcratur, einePhilanthropische Gesellschaft, die Gesellschaft zur Aufmunterung des wechselseitigen Unter-richts mit einer Schule für 400 Knaben, die Gesellschaft zum allgemeinen Besten, sowieviele Anstalten der Wohlthätigkeit, Hospitäler, Krankenhäuser, ein Findel-und Waisenhaus,zwei Beguinenhäuser u. s. w. Die Stadt zählt 144000 E., welche sehr bedeutende Fabrikenin Spitzen, Seide, Leinwand, Wolle, Baumwolle, Kamelot, Borden, Gold- und Silber-draht, Blonden, Tuch, Hüten, Papier, Glas, Tapeten, Spielkarten, Lichtern, Fayence,Schcidewaffer, Vitriolöl, Leder, Kutschen u. s. w. unterhalten, die zwar durch die Trennungder Niederlande von Frankreich im I. 1814 und Belgiens von den Niederlanden im I.1830 viel gelitten haben, dagegen durch das unermüdliche Bestreben der belg. Regierungfür die Hebung und Beförderung der Industrie beträchtlich unterstützt werden. Auch gibtes viele Buchhandlungen und Buchdruckereien, die sich vorzugsweise mit dem Nach-drucke franz. Werke beschäftigen. Der Handel mit den Erzeugnissen der Fabriken ist sehrlebhaft; außerdem werden auch viele rohe Landesproducte, besonders viel Getreide, Kleesa -men, Bausteine u. s. w. ausgeführt. Den Handel befördern eine Börse, zwei Banken, die Alteund die Belgische, große Märkte, viele Kanäle, schöne Kunststraßen, vor Allem aber die Eisen-bahnen, welche B. mit dem belg. Eisenbahnnetz, besonders mit Antwerpen, Mons, Lüttichu. s. w. verbinden. Die Sommerresidenz des Königs, Lacken, auf Veranlassung der Erz-herzogin Christine, als Oberstatthalterin der östr. Niederlande, von dem franz. ArchitektenMontauger in schönem Stil erbaut, liegt äußerst angenehm auf einem sanft emporsteigendenHügel mit der Aussicht auf die Stadt und auf die reiche, mit Dörfern und Landhäusern be-deckte ^Gegend, weshalb der Park daselbst mit seinen schönen Anlagen und Tempeln einerder vorzüglichsten Sammelplätze der Brüsseler ist.
Schon im 10. Jahrh. geschieht der kaiserlichen Pfalz Hrucksellu Erwähnung. DenGrund zur Stadt jedoch legte erst Bischof Gerald von Cambray, indem er auf einem Werder