728 Brunnen
damit sich innerhalb des Kranzes ein geregelter Wasserstand bilde. Liegen die Quellen gegenden Ort, wo man ihr Wasser verwenden will, zu tief, so kann man dasselbe durch Saug-oder Druckwerke heben (s.Pumpen)und in Wasserleitungen (s.d.) nach jeder gewünsch-ten Richtung verführen. Bei der Anlegung von Brunnen, wo die Quellen bergmännisch zuTage gefördert werden, muß man sich zuvor von der Gegenwart und Tiefe der Wasserschichtvergewissern, was mittels des Erdbohrers (s. d.) geschieht. Stößt man hierbei zufälligauf ein gedrücktes Wasserlager, so tritt das Wasser bis an die Erdoberfläche und öfters überdieselbe, sodaß man einen artesischen Brunnen in seiner einfachsten Form erhält; ist aber dieWasserschicht nicht mächtig oder nicht gedrückt genug, so muß man das Bohrloch durch Aus-grabung erweitern, indem man einen Schacht niedertreibt. Ist man aus dem Lager derWasserschicht angekommen, so muß man, um dieselbe zu fassen, den Baugrund untersuchen.Ist derselbe fest genug, so kann man unmittelbar auf ihn die Umfassungsmauer stellen; istdies aber nicht der Fall, so muß man einen kreisförmigen Rost schlagen, auf dem man aucheinen gezimmerten Brunnenkranz befestigen kann. Alles Holzwerk aber muß beständigunter dem niedrigsten Wasserstande liegen. Im sandigen Boden kann man auch den Brun-nenschacht versenken, ein Verfahren, das neuerdings bei dem Schacht des Themsetunnels mitVortheil und in sehr großem Maßstabe in Anwendung gekommen ist. Es wird nämlich eingezimmerter Kranz, der den Durchmesser des Schachts hat und unten mit einer eisernen,schneidigen Schiene beschlagen ist, in die vorgegrabcne Vertiefung gelegt und darauf dieBrunnenmauer bis zur Erdoberfläche geführt und gegen das Verschieben gesichert. Indemman nun den Sand gleichmäßig ringsherum vorarbeitet, senkt sich der Kranz durch seineeigene Schwere, worauf man dann ein neues Stück Mauer aufführt, was nun so lange inderselben Art fortgesetzt wird, bis der Brunnenkranz auf der festen Schicht angelangt ist.Um Quellen abzufangen, welche unmittelbar unter der Dammerde liegen oder doch nichtviel tiefer, reicht cs meist hin, ein großes Faß ohne Boden einzugraben. Da das Wasserdurch den Druck gewöhnlich höher steht als die Filtrationsschicht, so muß man, wie bei denfreiwillig zu Tage tretenden Quellen, die Verbreitung des Wassers in das hinterliegendeErdreich verhindern; andererseits kann aber auch der Fall eintreten, daß man, eine Schichtuntauglichen Wassers verschmähend, noch tiefer geht, um reineres und kühleres Wasser zusuchen, in welchem Falle man sich vor dem Eindringen des oberhalb befindlichen sichern muß.Da die trocken oder mit gewöhnlichem Kalk versetzten Steine der Einfassung das Wasserdurch die Fugen würden dringen lassen, so werden die Steine entweder in Moos gelegt unddahinter eine gehörig starke Schicht festen Thons angestampft, oder man macht die ganzeMauerarbeit mit hydraulischem Kalk, soweit sie mit dem Wasser in Berührung kommt, undhintergießt sie mit Betonmörtel. Letzteres Verfahren verdient unbedingt den Vorzug, wie-wol es weit kostspieliger als jenes ist, und die größere Solidität wiegt die Kosten auf. DieBrunneneinfassung ist, um dem dahinter wirkenden Druck zu widerstehen, entweder cylin-drisch oder elliptisch mit besonders dazu geformten Steinen aufzuführen; hat man Stein-schichten durchbohrt, so dienen diese, soweit sie reichen, als Einfassung. Man hat solche Brun-nenschächte bis zu enormen Tiefen fortgeführt, und wir erinnern hier nur an die Brunnen aufdem Königstein, in Silberberg, auf dem Wendelstein in Thüringen u. s. w. In sehr vortheil-hafter Weise lassen sich artesische Brunnen mit gegrabenen verbinden. Hat man sich näm-lich durch den Erdbohrer überzeugt, daß man eine springende Quelle erlangt, die aber nurbis in eine gewisse Schicht steigt, so gräbt man den Brunnen bis auf diese Schicht, faßt ihnein und treibt dann auf seiner Sohle ein Bohrloch bis auf die gehörige Tiefe, von wo ausdann dieser Brunnen mit dem nöthigen Wasser sich füllt. AuS dem Brunnenschächte wirddann das Wasser mittels eines Haspels oder mittels Pumpen heraufgehoben. Öfter wirddas Wasser in Brunnen, wenn es längere Zeit steht oder durch sonstige Zufälligkeiten, schlecht-schmeckend und trübe. Diesem Übelstande hilft man ab durch eine nach der Quantität desWassers bemessene Menge Kochsalz oder Steinsalz, das man in den Brunnen wirft, denman dann einige Tage ruhen läßt. Überhaupt ist es zweckmäßig, diese Reinigung jährlicheinmal, namentlich im hohen Sommer, vorzunehmen. In sehr tiefen Brunnenschächten häu-fen sich oft mephitische Dünste an, von deren Anwesenheit man sich durch das Hinablassen