720 Brun (Friederike Sophie Christiane) Brun (Johan Nord'ahl)
Offizier die Versammlung auffodertc, auseinanderzugehcn. Die Räthe hatten beschlossen,in ihrer geheiligten Würde als Nationalrepräsentanten der Gewalt Trotz zu bieten; derDeputirte Prudhon erinnerte die Soldaten an die Achtung der vom Volke Gewählten, derGeneral Jourdan hielt ihnen ebenfalls den beginnenden Frevel vor, und einen Augenblickzögerte der Truvp. Allein der General Leclcrc drang mit einer Verstärkung nach, comman-dirte im Namen des Generals Bonaparte „Vorwärts", und so wurden die Gesetzgeber, indemsie fliehend die Republik leben ließen, mit gefälltem Bayonnet aus dem Saale getrieben. Umhalb 6 Uhr am >9. Brumaire war durch diesen Act roher Militairgewalt nicht allein die Revo-lution, sondern auch die Nationalrepräsentation Frankreichs und die Macht des Volks zumVvrtheile eines Einzelnen vernichtet. Die Nation, ermüdet und unfähig, die Souvcrainetätlänger gegen den Pöbel und die Aristokraten zu verthcidigen, sah freilich in dieser unerhör-ten Gewaltthat vor dcrHand nur die Rückkehr zu einer festen Ordnung und wvhlthätigen Ruhe.
Brun (Friederike Sophie Christiane), eine bekannte deutsche Schriftstellerin und Dich-terin, geb. am 3. Juni 1765 zu Gräfentonna im Herzogthume Gotha, kam, noch nicktfünf Wochen alt, mit ihrem Vater, Balthasar Münter (s. d.), nach Kopenhagen. Bei wenigregelmäßigem Unterricht, aber guter häuslicher und weiblicher Bildung und zweckmäßiger vonihrem Vater überwachter und geleiteter Lccture entwickelten sich rasch ihre schon früh sich re-genden poetischen Anlagen. Im Sommer 1783 ward sie die Gattin desGeh.ConfercnzratdsKonstantin Brun in Kopenhagen, den sie bald nach ihrer Vcrheirathung nach Petersburg be-gleitete und mit dem sie über Hamburg, wo sie einige Monate täglichen Umgang mit Klopstockhatte, nach Kopenhagen zurückkehrte. In dem strengen Winter von 178Sauf1789 verlor siedes Nachts plötzlich das Gehör, das sie auch nie wieder erlangte; jung, lebensfroh und kräftigfand sie aber bald einen trostreichen Ersatz in der Pflege der Wissenschaft und Poesie. Ihrelnit ihrem Gemahl 1791 nach dem Süden Europas unternommene Reise, auf welcher sie inLyon Matthisson, in Gens Bonstetten kennen lernte, schilderte sie in den beiden ersten Bändenihrer „Prosaischen Schriften" (4Bde., Zür. 1799—1891), während sie in den beiden andernihre Reise beschrieb, die sie 1795 zum Theil in Verbindung der in Matthisson's Gesellschaftreisenden Fürstin von Dessau nach Italien unternahm. Nachdem sie den Winter in Romverlebt und hier Zoega, Fernow, und Angelica Kauffmann kennen gelernt hatte, besuchte sieim Sommer 1796 Jschia, dessen Schwefelquelle ihre zerrüttete Gesundheit wiederherstcllte.Im I. 1796 zurückgekehrt, machte sie 1891 eine neue Reise, brachte den Winter im Waadt-lsnde und in Coppet bei Necker und dessen Tochter, Frau von Stael, und den Sommerin Rom zu. Sie beschrieb diese Reise in den beiden ersten Bänden ihrer „Episoden"(Bd. I und 2, Zür. 1897—9; Bd. 3 und 4, Münch, und Heidelb. 1816 — 18) und ihrenAufenthalt in Rom in dem „Römischen Leben" (2 Bde., Lp;. 1833). In Folge ihres lei-denden Zustandes ging sie dann wieder nach der Schweiz, wo sie den Winter in Genf undden Sommer 1896 mit Sismondi und Bonstetten im Waadtlande zubrachtc. Eine neueReise, veranlaßt durch eine gefährliche Krankheit ihrer Tochter Jda, machte sie hierauf nachRom, wo im Apr. 1897 die Tochter genas und die Mutter >899 Augenzeugin der Ereignissewurde, welche der willkürlichen Gefangennehmung des Papstes vorangingen oder folgten.Ihre über diese Ereignisse an ihren Bruder, den Bischof von Seeland, in den 1.1898— 19gerichteten „Briefe aus Rom" gab Böttiger (Dresd. >816; neue Ausl., 1829) mit einerVorrede heraus. Die letztere Reise beschrieb sie im dritten und vierten Theilc ihrer „Episoden".Nach Kopenhagen zurückgekehrt, blieb sie von nun an ihrem Hcimatsherde treu. Ein Mis-verständniß ließ eine Stelle bei Matthisson so deuten, als ob sie katholisch geworden wäre.Ihren ersten „Gedichten", herausgegeben von Matthisson (Zür. 1795; 4.Ausl., 1896),folg-ten „Neue Gedichte" (Darmsi. 1812) und „Neueste Gedichte" (Bonn 1829). Eine theil-weise Beschreibung ihres Jugendlebens enthält ihr letztes Werk „Wahrheit aus Morgen-träumen und Jda's ästhetische Entwickelung" (Aarau 1824). Sie starb am 25. März >835,und ihr Gemahl folgte ihr im Tode am 19. Febr. 1836.
Brun (Johan Nordahl), norweg. Kanzelredner und Dichter, geb. 1745 auf einemBauerhofe in der Nähe Drontheims, wurde ganz als norweg. Bauerssohn, doch mit seltenerSorgfalt, von seinen gottcsfürchtigen Altern erzogen. Von gewandtem und kräftigemÄußern und eines lebhaften Geistes nahm er nicht nur an aller vorfallenden Feldarbeit Theil,