122 Baumgarten (Alex. Gottlieb) Baumgarten-CrnsiuS (D. K. W.)
Doccnten(1728) zum Professor der Theologie vorrückte und am 4. Juli 1757 starb. Nebender eigentlichen Theologie waren die Facher der Geschichte und Literatur diejenigen, in denener das Meiste gearbeitet hat. Seine Übersetzung der von engl. Gelehrten bearbeiteten „All-gemeinen Weltgeschichte" (16 Bde., Halle >1744—56, 4.) wurde nach seinem Tode vonSemlcr fortgesetzt, worauf deutsche Gelehrte das Werk selbständig fortführten. Auch seine„Nachrichten von einer hallischcn Bibliothek" (8 Bde., Halle 1748—51) und „Nachrich-ten von merkwürdigen Büchern" (12 Bde., Halle 1752—57) enthalten viele noch immerbrauchbare Notizen. Vgl. Semler's „Biographie B-'s" (Halle 1758, 4.).
Baumgarten (Alex. Gottlicb), ein scharfsinniger und klarer Denker, aus Wolfs Schule,der Bruder des Vorigen, geb. am 17. Juli 1714 zu Berlin, studirte zu Halle und wurde,nachdem er eine Zeit lang an der dasigen Universität gelehrt, 1740 ordentlicher Professor der Phi-losophie zu Frankfurt a.d.O., wo er am 26. Mai 1762 starb. Er ist der Gründer der Ästhetikals einer systematischen Wissenschaft des Schönen. Indem er das Verwirrende der von ein-zelnen Kunstwerken und ihrer Wirkung abstrahirten Kunstregeln einsah, suchte er die Kunst-thesrie selbst wissenschaftlich zu begründen. Die Ergebnisse einer solchen, behauptete er, müß-ten allgemeingültig sein; dies seien sie aber nicht, wenn sie sich blos auf Folgerungen oderAutorität gründen. Man müsse also zu den ersten, allgemeinen, aus der Natur des mensch-lichen Geistes geschöpften Grundsätzen aufsteigen, wofern eine wahre Philosophie des Ge-schmacks entstehen solle. In der Schönheit bestehe das Wesen aller Künste. Die Schönheitselbst aber erschien ihm unter dem Begriffe der Wölfischen Schule als sinnlich erkannte Voll-kommenheit, sinnlich vollkommene Erkenntniß des sinnlich Vollkommenen. Durch diese Er-klärung machte er einesthcils das Schöne blos zu einem Gegenstände der sinnlichen Empfin-dung, wobei das Wesen desselben ganz übersehen wurde, anderntheils wurde die Wissenschaftdesselben, als Wissenschaft der sinnlichen Erkenntniß, was er auch mit dem von ihm gewähl-ten Ausdruck Ästhetik (s. d.) andeutet, eigentlich nur ein einzelner Theil der Theorie derSinnlichkeit oder des sogenannten niedern Erkenntnisvermögens, während die Logik sich aufdar sogenannte höhere Erkenntnißvermögcn beziehen sollte. Die Idee einer solchen Wissen-schaft stellte er zuerst auf in der Schrift „De nonnullis all poema pertinentibus" (Halle1735, 4.). Aus seinen Dictaten entstanden Meier's „Anfangsgründe aller schönen Wissen-schaften" (3 Bde., Halle 1748—50), worauf er selbst seine „^estbetica" (2 Bde., Franks.1750—58) erscheinen ließ, deren Vollendung aber sein Tod verhinderte. Nur die Ein-leitung, worin er den Grund des Ganzen legte, nebst der Heuristik ist vollendet. Übri-gens hatte er fast überall bei Aufstellung seiner Regeln blos die sogenannten redenden Künstevor Äugen. Seine Schriften über die andern Theile der Philosophie zeichnen sich durchKlarheit und Bestimmtheit aus; so ist namentlich seine „Nets;,i^-sica" (Halle 1730; 7. Aust,17 7 9) noch jetzt eines der brauchbarsten Bücher für Die, welche die Metaphysik der WölfischenSchule kennen lernen wollen. Vgl. Meier, „Leben B.'s" (Halle 1763).
BeUlMgarten-Crussus (Detlev Karl Wilh.), Rector der Landesschule zu Meißen,wurde am 24. Jan. 1786 zu Dresden geboren, wo sein Vater Gottlob Aug. Baum-garten, der sich nach seinem Stiefvater, dem Prediger Crusius, zuerst Baumgarten-Crusiusnannte und 1817 als Stiftssuperintendent in Merseburg starb, damals Diakonus an derKreuzkirche war. Er erhielt von 1798—1803 zu Grimma seine höhere Schulbildung undbezog dann die Universität zu Leipzig, wo er neben der Theologie namentlich auch die klassi-schen Studien betrieb. Nachdem er hierauf seit 1806 vier Jahre in Merseburg privatisirthatte, wurde ihm 1810 das Conrectorat an der Domschule daselbst übertragen, das erbis 1817 mit Liebe und Erfolg bekleidete. In dieser Zeit nahm er durch Wort und Schriftde» wärmsten Antheil an der Befreiung Deutschlands von der fremden Herrschaft, arbei-tete für diesen Zweck eifrig mit an den „Deutschen Blättern" und schrieb „Vier Redenan die deutsche Jugend über Vaterland, Freiheit, deutsche Bildung und das Kreuz" (Al-tenb. 1814). Jm J. 1817 folgte er dem Ruse als Conrector an der Kreuzschule zu Dresden,wo es ihm in Verbindung mit den übrigen Lehrern bald gelang, ein mehr wissenschaftliches,durch Zucht und Fleiß geregeltes Leben herzustellen. Von hier aus machte er zu verschie-denen Zeiten größere Reisen in die Schweiz und nach Frankreich. Durch das Vertrauenseiner Mitbürger wurde er nach den Unruhen des I. 1830 zum Communrepräsentantcn