Baumannshöhle Baumgarten (Sigm. Jak.) 121
Augen oder Blattknospen Nahrungssafte zu, wodurch dieselben zu neuen Zweigen ausge-bildet werden, welche sich so lange nach allen Richtungen ausdehnen, bis sie sich allmälig vonunten nach oben verhärten. Auf diese Weise lebt oder wächst der Baum fort, bis er allmäligabstirbt. Sehr verschieden ist die Bildung des Baumstamms der Monokotyledonen, z. B.der Palme, und der Akotyledoncn, wie der Farrnkräuter; hier findet keine deutliche Trennungder Holzfasern vom Marke statt, es ist kein eigentliches Holz mit Jahresringen vorhanden,und das Zunehmen des Stamms geschieht von innen heraus. Man hat dieser Eigenthüm-lichkeit der Stammbildung wegen jene auch exogo-ms, d. i. von außen wachsende, diese encko-gvllue, d. i. von innen wachsende, genannt.
Baumannshöhle, eine natürliche Höhle im Übergangskalksteine, auf dem Harz, imbraunschweig. Fürstenthum Blankenburg, am linken Ufer der Bode, zwei Stunden vonBlankenburg, in der Nähe des Dorfes Rübeland. Sie besteht aus sechs Haupt- und mehrenkleinen Abtheilungen, die eine Länge von 768 F. haben und überall mit Tropfstein oderStalaktiten überzogen sind, deren erdige Bestandtheile das allenthalben durchdringende Wassermit sich führt und als kalkigen Stein ansctzt. Der Eingang ist 136 F. über der Sohle desBodethals erhoben. In allen, namentlich aber in der dritten, findet man von Tropfstein ge-bildete Figuren und Säulen, von denen die sogenannte klingende Säule, wenn man daranschlägt, einen starken Klang von sich gibt. Die Höhle hat den Namen von dem BergmannBaumann, welcher sie in der Absicht, Erze darin zu finden, 1672 zuerst befuhr, und, da erzwei Tage suchen mußte, um den Ausgang wieder zu finden, bald darauf starb. Die größteund schauerlichste unter den Höhlen ist die erste von 31 F. Höhe.
Baume (Antoine), berühmter Apotheker und Chemiker, geb. zu Senlis an>26.Febr.1728, gest. 15. Oct. 1804, war der Sohn eines Gastwirths. Er hatte keine Wissenschaft-liche Bildung erhalten und stieß daher bei seinen Studien, die er mit glühendem Eifer er-griff, auf große Schwierigkeiten. Das Examen, das er beim Eintritt in die PharmaceutischcSchule zu Paris zu machen hatte, bestand er so glänzend und zeichnete sich binnen kurzer Zeitso sehr aus, daß man ihm den Lehrstuhl der Chemie an derselben Anstalt gab. Hier ent-wickelte er die lichtvolle Methode, die seine Werke vortheilhaft auszeichnet. Zu seinen erstenwissenschaftlichen Arbeiten gehören einige Denkschriften über die Kristallisation der Salze,über den Gährungsproceß u. s. w. Diese Abhandlungen erregten so großes Aufsehen, daß ihndie Akademie der Wissenschaften zu ihrem Mitglieds wählte. Der Erfolg der „Lmc^clopLclie"brachte B- auf die Idee, ein „Oictionnaire des srts et inetisrs" herausgegeben, das er selbstmit einer beträchtlichen Anzahl Artikel bereicherte. Die Revolution raubte ihm die Früchteseines außerordentlichen Fleißes und stürzte ihn sogar ins Elend. Um sein Leben zu fristen,wurde er Kaufmann. Seine beiden wichtigsten Werke sind seine „6Iiimis experimentale etraisonnes" (3 Bde., Par. 1773), „Elements de plikumacie" (Par. 1762) und die „Opus-cules de ckimie" (Par. 1798). Seine Schriften enthalten einen Schatz von Beobachtun-gen; aber ihr Gebrauch ist wegen der beibchaltenen alten Nomenclatur erschwert.
Baumfelderwirthschast nennt man eine von Cotta (s. d.) in Tharandt vorge-schlagene, in neuererZcit hier und da auch in Ausführung gebrachte Waldwirthschaftsmethode,nach der der Boden abwechselnd zu Wald und Feld benutzt wird. Hiernach soll der zum Holz-anbau bestimmte Acker mit Bäumen in einer Entfernung von vier Ruthen besetzt, der zwi-schen den Baumreihcn liegende Boden acht bis zehn Jahre als Ackerland, dann noch einigeJahre als Weide benutzt und hierauf das Land als Wald behandelt werden. Nach der Fällungder Bäume wird der Boden gerodet, einige Jahre blos als Acker benutzt und dann wiedermit Bäumen bepflanzt wie vorher. Die Ausführung dieser Wirthschast ist vorzüglich fürGebirgsgegenden sehr geeignet, wo sie durch verbesserten Feldbau, Cultivirung der Viehangerund der Blößen in den Wäldern, sowie durch die Laubfüttcrung mehr Brot, mehr Holzund mehr Erwerb herbeiführen würde.
Baumgarten (Siegm. Jak.), nicht nur überhaupt einer der gelehrtesten unter denprotestantischen Theologen des 18. Jahrh., sondern auch als derjenige Theolog zu bemerken,der als Semler's (s. d.) innigsterFreund auf dessen spätere Forschungen bedeutenden Ein-fluß übte, war 1766 zu Wolmirstädt, wo sein Vater, Jakob B., der 1722 in Berlin starb,früher Prediger War, geboren und auf der Schrie und Universität zu Halle gebildet, wo er vom