Bauer (Georg Lorenz) Bauernkrieg 113
Achtung abzunöthigen. Gegen letztere ist er am nachdrücklichsten von seinem Bruder E d garB. in Berlin, der, geb. 1821, anfangs Theologie, dann aber die Rechte studirte, theils inden „Deutschen Jahrbüchern", theils in dem Schriftchen „Bruno B. und seine Gegner"(Berl. 1842) vertheidigt'worden.
Bauer (Georg Lorenz), einer der achtbarsten Theologen, aus der zweiten Hälfte desvorigen Jahrh., geb. am 14. Aug. 1755 zu Hiltboltstein, studirte in Altdorf besondersorient. Literatur und wurde 1776 Frühprediger an der Schloßkapelle zu Nürnberg, in wel-cher Stellung er die Übersetzung der arab. Geschichte des Abulfaradsch herausgab. Nach-dem er dann drei Jahre an der St.-Sebaldschule gewirkt hatte, erhielt er 1789 die Pro-fessur der Bcredtsamkeit, der morgen!. Sprachen und der Moral zu Altdorf. Im I. 1805endlich ward er Professor der Exegese und orient. Literatur zu Heidelberg, erhielt auch denCharakter eines Kirchenraths, starb aber schon den 12. Jan. 1806. B. hat durch gründlicheSprachforschung und kritischen Scharfsinn viel dazu beigetragen, die biblische Exegese vonden Fesseln dogmatischer Vorurtheile zu befreien und den Unterschied zwischen dem Lehrgehalteder Bibel und dem kirchlich-orthodoxen Systeme nachzuweisen. Hatte er in seiner „llermenen-tica sacrs Vst. Test." (Lpz. 1797) den richtigen Grundsatz ausgestellt, daß man die Bibelwie die Schriften der alten Klassiker historisch erklären müsse, so wendete er denselben auch inseinen zahlreichen Werken über biblische Theologie und Moral des Alten und Neuen Testa-ments mit Erfolg an. Unter diesen erwähnen wir namentlich seine „Hebr. Mythologie desAlten und Neuen Testaments" (2Bde., Lpz. 1802—3), worin diese mit der Eotterlehreder Griechen und Römer verglichen wird, das „Lehrbuch der hebr. Altcrthümer" (2. Aust.,herausgeg. von Rosenmüller, Lpz. 1835), dann die Bearbeitung der sogenannten biblischenBeweisstellen „Uicts clsssicnVet. 'Ue8t." (2 Abtheil., Lpz. 1798—99), welche Schrift vonStegmann (Lpz. 1834) umgearbeiket herausgegeben worden ist, und die „Biblische Theo-logie des Neuen Testaments" (4Bdc., Leipz. 1800—2). Weniger hat er als Historiker indem „Handbuch der Geschichte der hebr. Nation" (2 Bde., Nürnb. 1800—4.) geleistet.
Bauernfeld (Eduard), deutscher Lustspieldichter, geb. 1804 zu Wien, wo er auchstudirte und gegenwärtig als Concipist bei der Hofkanzlei angestellt ist. Seine Erfindungist nicht von Bedeutung und Hai meist etwas Althergebrachtes; dagegen ist die Durch-führung gut, namentlich der Dialog rasch, beweglich und schlagend, und die Anordnung, derschnelle Gang, die Gruppirung der Figuren auf das geschickteste für die Wirkung auf derBühne berechnet. Das Salonleben besonders weiß er trefflich zu zeichnen, er ist, wennauch kein Dichter im allgemeinern und edlern Sinne, doch ein sehr lobenswerther Dichterfür die moderne Bühne. Er hat sich ziemlich productiv gezeigt, und am beliebtesten wurdenseine Lustspiele, „Das Liebcsprotokoll", „Franz Walter", „Die Bekenntnisse", „Bürgerlichund romantisch", „Das Tagebuch" u.s. w., die er unter dem Titcl„Lustspiele" (Wien 1833),„Theater" (2 Bde., Manh. 1836—37) gesammelt erscheinen ließ.
Bauernkrieg nennt man in der deutschen Geschichte jenen Aufstand zur Zeit derReformation, der zuerst in Schwaben und Franken, dann auch in Sachsen und Thüringenvon den nieder« Ständen gegen die Hähern, besonders von den Bauern gegen den Adel unter-nommen wurde, anfangs um dem harten Drucke, unter welchem sie seufzten, sich zu entreißen,bald nachher aber, um sich eine eingebildete politische und religiöse Freiheit zu erkämpfen.Manche, besonders katholische Schriftsteller haben Luther und seinen Schriften, namentlichseinem Buche von der evangelischen Freiheit und dem freien Gebrauche der Schrift die allei-nige oder doch vorzügliche Schuld dieses Aufruhrs, „dieses gräßlichen Nothschreis der ge-drückten Menschheit", wie Zschokke den Bauernkrieg nennt, zugeschricbcn. Es ist aber erwie-sen, daß die Frohndicnste, welche geistliche und weltliche Herren fodcrten, die Plünderungenund Verheerungen, denen die Unterthanen bei den häufigen Fehden des Adels und der Fürstenausgesetzt waren, der Druck der Auflagen, welcher mit dem Eintritte neuer Bedürfnisse unddem steigenden Aufwande der Großen zunahm, besonders aber das Beispiel der benachbartenSchweizer, welche der Herrschaft des Adels entledigt, von ihren Obrigkeiten mit keinen außer-ordentlichen Steuern belegt und durch kein fremdes Kriegsvolk heimgcsucht wurden, dieeigentlichen, bewegenden Ursachen zur Entstehung dieses Aufruhrs waren- Der stille Grimm,Conv.-Lex. Neunte Aufl. II. 8