--"Sr
-<4Hr ^
92 Bafel
Kirchenverfaffung, einen wichtigen Schritt gcthan, indem sic ihm und seiner Curie die vonseinen Vorgängern erschlichene Disposition über die Pfründen an Kathedral- und Collcgiat-kirchen absprach, die freie Wahl ;u Capitular- und Kanonikatstellen den Capiteln selbst m-rückgab und den Papst zu unentgeltlicher Bestätigung derselben verpflichtete. Zur Refor-mation des Klerus schritt sie erst durch die Beschlüsse vom 22. Jan. und'S.Juni 1435, daßGeistliche, welche Beischläferinnen hielten, und Prälaten, die dies für Geld gestatteten, bestraft, Ercommunicirte nicht vor der Bekanntmachung ihres Unheils gemieden, Jnterdictcnie wegen einzelner Personen verhängt, wiederholte Appellationen wegen derselben Beschwerdenicht angenommen, Annaten, Gelder für Pallien und Deports (Annaten der Pfarrer andie Bischöfe) unter keinem Vorwände gefedert oder entrichtet, vielmehr als Simonie geahn-det, Gottesdienst, Messen und kanonische Stunden von den Geistlichen jedes Standes regel-mäßig abgcwartet, Störungen der Andacht durch gute Kirchenpolicei abgewehrt, die Nar-renfeste und alle zur Weihnachtszeit in den Kirchen üblichen Ungcbührlichkeiten abgeschafft wer-den sollten. Hierauf wurde am 25. Mär; I ä36 die Form der Wahl, des Glaubensbekennt-nisses und Amtseides jedes Papstes mit Verpflichtung auf die Beschlüsse des Conciliumsund jährliche Wiederholung derselben vorgeschrieben, jede Beförderung der Verwandten einesPapstes verboten und das Collegium der Cardinäle auf 23 verdiente Prälaten und Doctorenaus allen Nationen beschränkt, die durch freie Abstimmung des Collegiums gewählt werden,die Hälfte aller Einkünfte des Kirchenstaats genießen, über die Amtstreuc des Papstes wa-chen und seine Bullen stets unterzeichnen sollten. Übrigens ließ man ihm nur das Recht, diezum Sprengel von Rom gehörigen Pfründen zu vergeben, und schaffte die Verleihung vonAnwartschaften auf Kirchenämter ab. Eugen IV., dadurch aufs Äußerste erbittert, bestürmtedie Könige mit Beschwerden über die baseler Beschlüsse und benutzte die Anstalten zur Verei-nigung der bedrängten Griechen mit der röm. Kirche, um das Concilium aufzulösen. DieGriechen, diesen inner« Zwist nicht ahnend, hatten sich gleichzeitig an den Papst und an daSConcilium gewendet. Beide wetteiferten, einander den Ruhm der Union aus den Händenzu winden, beide schickten Galeeren ab, welche die Abgeordneten der Griechen an den Ort derVerhandlungen bringen sollten, und beide bestimmten dazu nach Maßgabe ihres Vortheilsandere Städte. Aber die Galeeren der Kirchenversammlung kamen, durch Ränke päpstliche!Agenten zurückgehalten, nicht zum Zweck, die päpstlichen Schiffe brachten die Griechen nachFerrara, und ein päpstlicher Legat zu Basel, der Erzbischof von Tarent, breitete im Namender Kirchenversammlung eine mit Hülfe ihrer Siegel hinter ihrem Rücken geschmiedete Ver-ordnung aus, worin nach den Wünschen Eugen's Udine oder Floren; zum Verhandlungsortempfohlen ward. Dieser Betrug zerriß das Band schonender Rücksicht, das die Kirchcnver-sammlung bisher von neuen Angriffen auf den Papst abgehalten hatte. Am 3l. Juli 1431begann sie wieder, ihn wegen Ungehorsams gegen ihre Decrete vorzufodern, Contumazerklä-rungen folgten, und nachdem Eugen sein Gegenconcilium zu Ferrara eröffnet hatte, sprachsie in der Versammlung am 24. Jan. 1438 seine Suspension von der Verwaltung des Papst-thums aus. In derselben Sitzung verbot sie jede Appellation nach Rom mit Übergehung derZwischeninstanzen, überließ der päpstlichen Disposition nur eine von zehn und 2 von 56 Pro-benden an einer Kirche und bestimmte den dritten Theil aller erledigten Kanonikate für gra-duirke Gelehrte. Die Suspension Eugen's schien jedoch wegen der Stärke seines Anhangesso wenig ausführbar, daß einige der Prälaten, die bisher die freimüthigsten und einflußreich-sten Sprecher auf dem Concilium gewesen waren, z. B. der Cardinallegat Julian selbst undder große Kanonist Nikolaus von Cusa, Archidiakonus von Lüttich, mit den meisten Italie-nern Basel verließen und auf Eugen's Seite traten. Mit desto größerer Festigkeit leitete nunder Erzbischof von Arles, Cardinal Ludwig Allemand, ein an Geist, Muth und Beredtsam-keit Allen überlegener Mann, als erster Präsident der Kirchenversammlung, die Schrittederselben. Obgleich ihre Zahl gesunken, ihr mächtigster Beschützer, Kaiser Sigismund, ge-storben und durch ihren entschiedenen Bruch mit dem Papste vielen Fürsten und Nationenselbst ihre Befugniß verdächtig geworden war, erklärte sie doch nach heftigen Debatten, beiVenen auch noch einer ihrer Helden, der Erzbischof von Palermo, Nik. Tudeschi, unter demNamen Panormitanus als der größte Kanouist seiner Zeit bekannt, sich im Aufträge des Kö-nigs von Aragon und Sicilien des Papstes annahm, diesen wegen hartnäckigen Ungehorsams