87
Basel
besuchte 1741—44 da-Johanneum und studirte dann in Leipzig Philosophie und Theologie,von wo er 1746 als Hauslehrer nach dem Holsteinischen ging. Im 1.1753 wurde er Lehreran der Ritterakademie zu Soroe, 176 l aberwcgenhetcrodoxer Meinungen ans Gymnasium -zu Altona-verseHt. Rouffeau's „Lmile" begeisterte ihn seit 1762 zu dem Gedanken, Verbes-serer dcS Erziehungswesens zu werden und die Grundsätze Rouffeau's und des von ihm sehrgeschätzten Comcnius in Ausübung zu bringen, wozu es ihm weder an Talent noch an Kraftfehlte. Beiträge von Fürsten und Privatpersonen bis zu 15000 Thlr. deckten die Kostenseines „Elementarwerks", das, nach den pomphaftesten Ankündigungen, als ein Orbispictiis mit 100 Kupfern von Chodowiecky (3 Bde., Altona 1774 und öfters) erschien undins Französische und Lateinische übersetzt wurde. Die Jugend erhielt darin eine Masse Dar-stellungen aus der wirklichen Welt, wodurch B. zugleich die Augen zu ergötzen und denWeltbürgerstnn, auf den er es bei seiner Erziehungsmethode abgesehen hatte, zu entwickelnstrebte. Als Musterschule nach dieser Methode errichtete er 1774 das Philanthropin zuDessau, wohin der Fürst Leopold Friedrich Franz ihn schon 1771 berufen hatte. Doch hatteer hier mehr versprochen als er zu leisten vermochte; sein unruhiger, immer mit weit aus-sehenden Planen beschäftigter Geist und eine seinen Mitarbeitern oft fühlbare Herrschsuchtließen ihn nicht ausharren. Schon 1778 verließ er nach vielen Händeln, besonders mit sei-nem fleißigen, aber eigensinnigen Mitarbeiter Wol ke (s. d.), das Philanthropin, fuhr abermit gleichem Eifer fort, durch pädagogische Schriften, die mehr nach Popularität als nachGründlichkeit strebten, für seine Ideen thätig zu sein, bis er, nach österm Wechsel seinesAufenthalts, am 25. Juli 1790 zu Magdeburg starb. Sein Einfluß auf die Denkart sei-ner Zeit war groß; um die damals anhebende Aufklärung Deutschlands hat er ein entschie-denes Verdienst, und wenn ihm auch die Humanisten die Herabwürdigung der Alten, wozuihm am meisten der Mangel an eigener gründlicher Gelehrsamkeit verleitete, und eine MengeÜbertreibungen, Mißgriffe und Spielereien mit Recht vorgeworfen haben, so wird ihm dochNiemand streitig machen, daß er durch seine siegende Beredtsamkeit für die von Vielen ver-gessene heilige Sache der Mcnschcnerziehung Aufmerksamkeit und Begeisterung zu wecken,manche treffliche Ideen und wichtige Wahrheiten in schnellen Umlauf zu setzen und die Theil-nähme der Regierungen zu gewinnen verstand, obwol er selbst lieber umwälzen und neuschaffen, als ausbilden, ordnen und vervollkommnen mochte. (S. PhilanthropiniS-mus.) Zahlreich sind seine philosophischen und pädagogischen Schriften. Vgl. Meyer,„Leben, Charakter und Schriften B-'s" (2 Bde., Hamb. 1791—92).
Basel. Der Gesammtcanton B-, begrenzt von Frankreich und Baden, von denCantonen Aarau, Solothurn und Bern, hat nach abweichenden Schätzungen einen Flä-chenraum von etwa 8 OM. Er ist seit 1501 der elfte Canton der Schweiz und bildetnach Tagsatzungsbeschluß vom 26. Aug. 1833 im Verhältnis zum Bunde noch jetzt eineneinzigen Staatskörper, der aber für die öffentliche Verwaltung in die zwei souverainen Halb- -cantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft zerfällt, deren jeder eine halbe Stimmeauf der Tagsatzung führt. Die nördliche Abdachung des Jura bildet B. zu einem von weni-gen Ebenen durchbrochenen Hügelland mit fruchtbarem Boden, der wohlangcbaut ist. DieHauptbeschäftigung der Bewohner besteht in Ackerbau, Obstzucht, Weinbau, Viehzucht,auch Fischerei, und in der Landschaft wird seit mehren Jahren viel Salz gewonnen. AnIndustriezweigen ist besonders ausgedehnt die Seidenbandweberei, die einen jährlichenDurchschnittswcrth von 10 Mill. Francs producirt, sodann die Fabrikation in Baumwolleund Leder; von großer Wichtigkeit ist auch der Transitohandel. Das alte B. erwuchsallmälig aus dem röm. Lagerposten Basilia oder Basiliana, in der Nähe von Au-gusta Rauracorum, wovon das Dörfchen Augst bei B. nur noch wenige Trümmerzeigt. Bei der Theilung de- Frankenreichs kam der Baselgau an Ludwig den Deut-schen; Kaiser Heinrich 1. baute die zerstörte Stadt wieder auf (924 — 33), die seitdembedeutend wurde, eine Zeit lang zu Burgund gehörte, jedoch seit 1032 dem DeutschenReiche zufiel. B. wurde früh der Sitz eines Bischofs, der sich seit dem H.Jahrh. mitdem Reichsvogtr, mit mehren adeligen Familien und der Bürgerschaft in die oberste Ge-walt theilte. Unter manchen inner» und äußern Wirren ward die Macht des Adels nachund nach gebrochen, der Bischof in seinen Rechten beschränkt und damit die Gewalt der Bür-